Flussfahrten zwischen Industriestädten

Eine bequeme Veloroute verbindet Winterthur und das alte Industriestädtchen Wald im Zürcher Oberland. Dazwischen liegt eine gemächlich ansteigende Flussfahrt und eine rasante Schlussabfahrt.

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Monika Hungerbühler, Pete Mijnssen (Text)
11.09.2017

Der abwechslungsreiche Ausflug auf der Veloland-Route 53 ist auch eine Fahrt durch die Schweizer Industriegeschichte. In den Ortschaften entlang der Route ragen vereinzelt noch die alten Schornsteine der Textilfabriken in die Höhe. Die meisten Areale sind inzwischen für Wohn- und Gewerbenutzung umgebaut worden. Wo noch alte Bauten stehen, wie etwa Kleinkraft-Elektrizitätswerke, wurden sie auf den neusten technischen Stand gebracht und zertifiziert. So findet sich etwa auf dem Rieter-Areal in Obertöss auch eine Fischtreppe. Weiter oben – zwischen Sennhof und Turbenthal – vermittelt ein Wasserlehrpfad auf Informationstafeln die  Geschichte des Flusses und der damals für die Industrialisierung so wichtigen Wassertechnik.

Schwemmstege als Brücken
Die Töss fliesst meistens träge und breit entlang der Veloroute 53. Das war nicht immer so: Zu Zeiten, in denen die Töss noch ein ungezähmter Fluss war, waren die Schwemmstege einfache Brücken, die auch Hochwasser standhielten. Bei hohem Wasserstand schwenkten die beweglichen Brückenelemente in Flussrichtung und gaben den Abfluss frei und sperrten zugleich den Übergang. Heute ist die Töss vor allem im Sommer beliebtes Ausflugsziel für die Winterthurer Bevölkerung.
In Rikon, direkt an der Töss liegt das Schöntal-Areal. Hier stand früher das Nägelsee-Kanalbad der Firma Rieter. Es wurde 1970 ausser Betrieb gesetzt, abgebrochen und durch eine Grünanlage ersetzt. Der Abenteuerspielplatz, welcher auch das Winterquartier von Circolino Pipi­strello ist, lässt kleine Herzen höher schlagen. Zudem gibt es eine frei zugängliche Do-it-yourself-Veloflickstation und verschiedene Kulturangebote.

Das Manchester der Schweiz
Wer den Ausflug bis Wald geschafft hat (inklusive Schussfahrt), kann erfahren, dass die Ortschaft bis Ende des 19. Jahrhunderts mit seinen 16 Textil-­Fabrikbetrieben auch «Manchester der Schweiz» genannt wurde. Zahlreiche Fabrikbauten im Dorf, in der grössten Aussenwacht Laupen und in der umliegenden Landschaft sind noch heute Wahrzeichen der ehemaligen Textilhochburg des Zürcher Oberlandes. Ein Rundgang durch den Ortskern und ein Besuch des Bleiche-Areals an der Jona sind ein lohnender Abschluss der Tour.


Infos
Winterthur bis Wald, Velolandroute 53
• Länge: 45 km
• Höhenmeter: ca. 380
• Asphaltierte Nebenstrassen und nicht asphaltierte Flurwege.
• Abfahrt nach Wald auf der Hauptstrasse.

Anbindung an ÖV
• Winterthur: Intercity, S-Bahn
• Wald: S26

Anbindung an Veloland
• Winterthur: 5, 45, 53, 86
• Saland: 41
• Wald: 86

Wegbeschreibung
Winterthur Bahnhof, Schweiz­Mobil-Infopoint bei Velostation 3.
• Auf der Stadthausstrasse bis zur Verzweigung Kasinostrasse.
• Rechts auf der Route 45 bis nach Töss fahren. Ab hier der Route 53 bis nach Wald folgen.

Verpflegung unterwegs
• Turbenthal, Café in der «Sticki» (am Dorfplatz)
• Juckern-Saland, Landgasthof Löwen (massive Holzbänke laden zur Pause ein)
• Bauma, Bäckerei Voland (sonntags geöffnet)
• Wald, Bleichibeiz in ehemaligem Industrieensemble, zusammen mit Hotel und Bad

Auszug aus Veloland Schaffhausen-Winterthur:
48 Seiten, Werdverlag, Fr. 34.–,
ISBN 978-3-85932-681-1

www.provelo.ch

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