Die Veloförderung soll auch im Tessin gestärkt werden. Nachdem sich die Organisation «Ciclo Lobby» aufgelöst hatte, sei im Tessin ein Loch entstanden, sagt Francesco Gilardi, Sekretär von Pro Velo Tessin. Bei seiner Arbeit im Vorstand von Pro Velo Schweiz sei er immer wieder darauf angesprochen worden, wie gut es doch wäre, wenn es in der Südschweiz einen eigenen Regionalverband gäbe. Deshalb hat er nach Personen gesucht, die sich an der Gründung beteiligen würden. Im vergangenen Sommer war es so weit: am 31. August 2010 wurde Pro Velo Ticino gegründet. Der Vorstand setzt sich aus Personen aller Regionen zusammen. Das sei gut so, denn man wolle möglichst im ganzen Kanton vertreten sein.
Bescheidene Infrastruktur
Das jüngste Kind in der Pro-Velo-Familie geht mit viel Elan an die Arbeit. Zu tun gibt es für den Verband mit seinen zurzeit rund 100 Mitgliedern einiges. Die Veloinfrastruktur ist in der Südschweiz nämlich noch bescheiden. Einzig die Region um Locarno ist – aus touristischen Gründen – relativ gut erschlossen. Allerdings verschwinden jeweils Ende Sommer nicht nur die Touristen, sondern mit ihnen auch die meisten Fahrräder wieder von den Strassen.
Die Tessiner Bevölkerung nutzt das Velo hauptsächlich als Freizeitgerät, kaum jedoch als Mittel zur täglichen Fortbewegung. «Das war nicht immer so», weiss Gilardi. Noch in den Fünfzigerjahren war das Velo auch hier das wichtigste Fortbewegungsmittel. Heute gibt es bei der individuellen Mobilität deutliche regionale Unterschiede. Wo es flach ist, beispielsweise in der Region Bellinzona, setzen sich mehr Leute auf den Sattel als in hügeligen Gebieten. Doch auch das hügelige Lugano lädt zum Velofahren ein. Das beweist der Veloverleih «Velopass», der an fünf Standorten Fahrräder bereitstellt. Das Angebot werde rege genutzt, weiss Francesco Gilardi.
Aggloprogramm soll helfen
Noch fehlt aber die Infrastruktur für eine breitere Velonutzung. Die Tessiner Pro Velo möchte das ändern und verlangt, dass die Agglomerationsprogramme des Bundes rasch umgesetzt werden. Wie nötig dies ist, zeigt sich am Beispiel der Velostationen: Im Tessin gibt es keine einzige. Zwar fördere die Kantonsregierung den Langsamverkehr, doch in den Gemeinden brauche es noch Überzeugungsarbeit, damit die Programme umgesetzt würden. Das gilt insbesondere für das Radwegnetz. Auf dem Plan und im Internet existieren zwar einige Verbindungen. Ist man dann aber in der Landschaft unterwegs, fehlten meist die Beschilderungen, was die Orientierung erheblich erschwert.
Als verkehrstechnische Knacknuss gilt im Tessin der Monte Ceneri. Er liegt auf der Nord-Süd-Route von Veloland Schweiz. Auf der stark befahrenen Passstrasse ist nur ein Velostreifen markiert. Das ist für Pro Velo Ticino absolut ungenügend, denn der Streifen bietet wenig Sicherheit. Vor allem dann nicht, wenn der Verkehr mit 80 km/h an den Velos vorbeibraust. Sie will sich deshalb für eine bauliche Trennung von Radweg und Strasse einsetzen, eine Forderung, die auch der VCS aufstellt.
Der Tessiner Lokalverband startet mit vielen Aktivitäten ins neue Jahr. Den bereits mit Erfolg durchgeführten Velobörsen werden 2011 weitere folgen. Eine Beteiligung am SlowUp zwischen Locarno und Bellinzona ist geplant. Dieser soll im Mai stattfinden. Ein weiteres innovatives Projekt wird die Abbildung von Schwachstellen im Strassennetz sein. Auf einer Internetseite sollen alle Veloverkehrshindernisse auf einer Karte eingetragen werden. Die Benutzer können die Karte interaktiv ergänzen. Und wie im ganzen Land findet auch im Tessin die Aktion «bike to work» statt, an der sich in den vergangenen Jahren bereits rund zehn Firmen aus der Region beteiligt hatten. Dank des nun ausgebauten Kontaktnetzes will man versuchen, dafür noch weitere Firmen zu begeistern. Damit all das gelingt, braucht Pro Velo Ticino aber mehr Mitglieder.
Weitere Informationen unter:
www.proveloticino.org







