Wir befinden uns im Paris des Jahres 1901. Jules Auguste Duroc (Bourvil) geht es finanziell schlecht. Er steht kurz vor dem Ruin. Doch der geniale Erfinder schöpft Hoffnung. Denn er hat ein revolutionäres Rennvelo entwickelt. Mit diesem soll sein Schwager Lucien Médard (Patrick Préjean) das Rennen Paris–San Remo bestreiten. Eine Bewährungsprobe und beste Werbung für das innovative Rad, wie sich Duroc denkt. Das Unterfangen läuft Gefahr zu scheitern, als der Gerichtsvollzieher Léon Charles Mulot (Robert Hirsch) auftaucht und das Gefährt pfänden möchte. Duroc ergreift daraufhin mit seiner Erfindung die Flucht, was zu einer wilden Verfolgungsjagd bis zum Startgelände des Velorennens führt. Hier muss Duroc entsetzt feststellen, dass sein Schwager ihn verraten hat. Lucien trägt die Farben des konkurrierenden Teams «La Gauloise». Duroc mischt sich unter die Rennfahrer, um sich vor den Verfolgern in Sicherheit zu bringen.
Bis hierhin sehen wir in «Schussfahrt nach San Remo» auch eine Hommage an die goldene Zeit des Stummfilms. Erst später setzen Ton und Farbe ein. Dann nämlich, als das eigentliche Rennen startet. Duroc tritt kräftig in die Pedale und lässt sich vom Fahrerpulk nicht abhängen. Delphine und Mulot verfolgen die Meute auf einem motorisierten Gefährt. Im Laufe des Rennens erhält Duroc von den Organisatoren, dem Marquis de Lion (Michel de Ré) und dem italienischen Teamchef Pifarelli (Gianni Bonagura) nachträglich eine Startnummer. Duroc ist nun offiziell einer der Rennfahrer. Seine Erfindungen machen sich bereits bezahlt. Eindruck macht vor allem der Freilauf. Etwas, das noch kein Konkurrent zuvor je gesehen hatte! Ebenfalls neu: der mittels Kurbel in der Höhe verstellbare Sattel oder die revolutionär schnelle Radwechsel-Vorrichtung. Mulot ist von der Innovationskraft Durocs dermassen beeindruckt, dass er seinen Job als Vollstreckungsbeamter aufgibt und gleich Geschäftspartner, Coach und Manager des quirligen Erfinders wird.
Filmdreh jenseits des Studios
«Zu Beginn war kein grosser Film geplant. Wir wollten einfach eine Geschichte mit Bourvil und Hirsch erzählen, die sich rund um das erste Radrennen drehen sollte», sagte der Regisseur Alex Joffé 1968 in einem TV-Interview. «Als das Drehbuch stand, wurde aber klar, dass der Streifen ausschliesslich im Freien, ohne einen Tag im Studio und nur mit echten Dekors gedreht werden sollte. Alles würde auf den Strassen, in den Bergen und Wäldern zwischen Paris und San Remo stattfinden. Dazu kamen noch 50 Velorennfahrer mit historischen Velos und Fahrzeugen.»
Ein Running Gag dreht sich um das Verhältnis zwischen Duroc und Mulot. Mehrmals geraten sich die beiden wegen der gemeinsamen Firma in die Haare. So werden aus den anfänglichen 90 zu 10 Anteilen zugunsten Mulots je hälftige Anteile. Was sich im Film sogar auf dem Leibchen des Rennfahrers Duroc widerspiegelt. Je nachdem, wie sich während des Rennens die Anteile an der gemeinsamen Firma ändern, werden die Lettern des Leibchenaufdrucks grösser oder kleiner.
Übrigens: Bourvil, der Star (neben Robert Hirsch) von «Schussfahrt nach San Remo», fuhr in seiner Jugend tatsächlich Radrennen und war auch später immer wieder auf dem Velo unterwegs, was ihm für diesen Film zugute kommen sollte. Joffé schwärmte von seinem Hauptdarsteller und Freund: «Er ist ein Athlet und in bester Form. Während der Dreharbeiten konnten ihm manche Darsteller auf dem Velo gar nicht folgen. Er fuhr allen davon.» Bourvil starb nur zwei Jahre nachdem «Schussfahrt nach San Remo» in die Kinos gekommen war an einer Krebserkrankung. Nach dessen Tod drehte Alex Joffé keine Filme mehr.
Ein unterhaltsamer Film und eine Empfehlung für Gross und Klein. Wer der französischen Sprache mächtig ist, sollte sich den Film in der Originalfassung ansehen.
Der Film
«Schussfahrt nach San Remo»
(Italien und Frankreich)
Originaltitel: «Les Cracks»
Frankreich 1968
Regie: Alex Joffé
Darsteller: Bourvil, Robert Hirsch, Monique Tarbès, Michel de Ré, Gianni Bonagura, Anne Jolivet, Bernard Verley, Max Fournel, Patrick Préjean und weitere.







