Ein Vierteljahrhundert in Luzern

Pro Velo Luzern blickt auf 25 Jahre Vereinstätigkeit zurück. Seit dem Start hat sich im Zentralschweizer Kanton einiges geändert. Doch die Fahrradförderung wird auch in Zukunft nötig sein.

Fabian Baumann, Redaktor (fabian.baumann@velojournal.ch)
Szene, 18.07.2012

Das 25-jährige Bestehen ist ein Grund zum Feiern, doch die Luzerner sind bescheiden. Einzig die Fahrradbörse im September wird zur «Velobörse Plus». Das Plus meint, dass das Jubiläum während der Börse mit Barbetrieb und Band gefeiert wird. Ursprünglich war geplant, am 25. jedes Monats eine Aktion durchzuführen. Die Idee liess sich allerdings nicht umsetzen.

Bei den Aktionen geht es Pro Velo Luzern wie vielen Vereinen, die auf das Engagement von Freiwilligen angewiesen sind. Nicht immer gelingt es, genügend Motivierte zu mobilisieren. Dennoch verfügt Pro Velo Luzern über einen grossen Kreis engagierter Freiwilliger. «Von rund 2000 Mitgliedern sind etwa 100 Personen aktiv dabei», sagt Co-Präsident Nico van der Heiden. Seit einem Jahr teilt er sich das Präsidium mit Laura Kopp, zuvor hatte er das Amt während eines Jahres alleine inne. Die Aktivmitglieder sind in diverse Arbeitsgruppen eingebunden. «Diese funktionieren bestens. Einige der dort Engagierten verfügen über mehr als 20 Jahre Erfahrung», präzisiert van der Heiden.

Der Ton verschärft sich

Für Fundamentalopposition ist Pro Velo Luzern nicht bekannt. Das Verhältnis zu den Behörden ist meist einvernehmlich. Doch der Verein ist in jüngster Zeit mit seinen Forderungen hartnäckiger geworden. Mit Laura Kopp (GLP) und Nico van der Heiden (SP) sind zwei parteipolitisch engagierte Personen im Präsidium, was frischen Wind aufkommen liess. «Das hat auch Auswirkungen auf unsere Zusammenarbeit mit den Behörden», sagt van der Heiden. Es gibt einen scharfen Gegensatz zwischen Stadt und Kanton.

Während man bei der Stadt eher auf Wohlwollen stosse, sei der Kanton äusserst autoorientiert. Bereits in den Neunzigerjahren wurde ein kantonales Radroutenkonzept beschlossen, dessen Umsetzung dank der Initiative «Velozärn» der damaligen IG Velo einen verbindlichen Zeitrahmen erhielt. Bis Ende 2013 müssten 90 Prozent des Konzeptes vollendet sein. «Mehr als ein Drittel der Massnahmen wurden aber nicht umgesetzt. Und bis Ende 2013 werden sie es auch nicht sein», weiss Nico van der Heiden. Das jüngste Beispiel, die Neugestaltung des Seetalplatzes in Emmen, zeige, wie sehr das Auto immer noch im Mittelpunkt stehe. Hier hat sich Pro Velo Luzern im gegnerischen Komitee engagiert, weil der Seetalplatz zu viel Geld verschlingt und andere Projekte (mit Veloförderung) zurückgestellt werden müssen. Der Plan zur Neugestaltung wurde schliesslich angenommen.

Aber auch im städtischen Strassennetz läuft nicht alles nach Vorstellung der Velolobby. Derzeit ist der Vorstand daran, einen «bösen Brief» an die Stadt Luzern zu verfassen. Diese habe kürzlich beschlossen, den Kauf von E-Scootern durch Private und Firmen mit bis zu 2000 Franken zu subventionieren. Pro Velo wollte wissen, weshalb nicht auch E-Bikes oder Fahrräder unterstützt würden, denn Fahrräder sind eine sinnvollere Förderung einer nachhaltigen Mobilität. Die Antwort der Stadt fiel wenig zufriedenstellend aus. «E-Bikes sind bereits günstig genug, E-Scooter jedoch noch deutlich teurer als herkömmliche Motor-roller», hiess es aus dem Umwelt­departement der Stadt. Diese Argumentation ist laut van der Heiden falsch, schliesslich seien auch elektrisch unterstützte Fahrräder wesentlich teurer als normale Velos. Pro Velo wird deshalb schriftlich bei der Stadt intervenieren.

Stadt-Land-Unterschied

Ein Unterschied zwischen Stadt und Land zeigt sich auch bei den Vereinsmitgliedern. Pro Velo Luzern ist in der Stadt und der Agglomeration verwurzelt, in den ländlichen Gebieten des Kantons aber kaum vertreten. Die Mitgliederzahlen seien jedoch stetig gewachsen, erläutert Nico van der Heiden. Vor allem an den Velobörsen würden jeweils neue Mitglieder gewonnen. Die Luzerner haben sogar einige ausserkantonale Mitglieder.

Der Grund: Wer bei Pro Velo Luzern dabei ist, durfte sein Fahrrad gratis in der Velostation am Bahnhof abstellen. Die Caritas als Betreiberin der Station hatte eine Defizitgarantie der Stadt. Diese wurde aber kürzlich gestrichen, sodass Pro-Velo-Mitglieder nicht mehr gratis parkieren können. Zwar muss nur ein reduzierter Preis bezahlt werden, dennoch hat dies zu rund 40 Austritten geführt.

Für van der Heiden ist klar, dass die Förderung des nichtmotorisierten Verkehrs auch in den nächsten 25 Jahren nötig sein wird. Das Gesamtverkehrskonzept der Stadt Luzern steckt noch in den Kinderschuhen. Bis in zwei oder drei Jahren will die Stadt ein Massnahmenpaket vorlegen. Die konkrete Umsetzung wird aber dauern. Und auch das kantonale Radroutenkonzept ist noch weit von seiner definitiven Umsetzung entfernt. «Besonders frustrierend ist, dass das Konzept seit zehn Jahren fixfertig auf dem Tisch liegt», sagt van der Heiden. Inhaltlich sei es gut, aber der Kanton verweigere beharrlich die Umsetzung.

www.proveloluzern.ch
 

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