Ein Polizist auf zwei Rädern

Ein sympathischer Regionalpolizist legt auf seinem Velo fast gleich viele Kilometer zurück wie im Streifenwagen. Von seiner Begeisterung liess sich auch sein Arbeitgeber anstecken. Eine Erfolgsstory in Sachen Veloförderung.

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Adrian Kübler
06.02.2013

Punkt fünf Uhr morgens schwingt sich Werner Bertschi in seinem Wohnort im aargauischen Untersiggenthal auf den Sattel. Wenn er 10 Minuten später durch die Altstadt von Baden kurvt, ist kaum Betrieb in den schmalen Gassen. Die Stadt schläft noch. Nicht so Bertschi: Er tritt kräftig in die Pedalen und nimmt weiter Fahrt auf.
35 Minuten nachdem der 45-Jährige sein Velo aus der Garage geschoben hat, kommt er auf der Gemeindeverwaltung in Spreitenbach an. Nach einer Dusche in der ehemaligen Gefängniszelle sitzt er erfrischt und wach am Schreibtisch. Es ist sechs Uhr morgens: Der Chef der Regionalpolizei meldet sich zum Dienst.

Veloförderung im Betrieb
Im Jahr 2009 wurde Bertschi auf die Aktion «bike to work» aufmerksam und setzte sich dafür ein, dass die Gemeindeverwaltung Spreitenbach teilnahm – mit Erfolg: Der Betrieb war letztes Jahr bereits zum vierten Mal mit dabei. Ein sinnvolles Engagement mit Signalwirkung, meint Bertschi: «Als Behörde hat man eine Vorbildfunktion. Spreitenbach ist Energiestadt.»
Die Aktion wirke aber nicht nur nach aussen, sondern auch innerhalb des Betriebs. «Bike to work» bringe die Leute näher zusammen: «Es ist toll, wenn Mitarbeitende im Strassenwesen plötzlich mit solchen aus dem Sozialdienst im gleichen Team radeln und nach der Aktion ein gemeinsames Nachtessen veranstalten. Im Berufsalltag gibt es nur wenig Berührungspunkte.»
Mit einer wachsenden Zahl Velofahrender steigen die entsprechenden Bedürfnisse im Betrieb. Aber schon mit kleinen Anpassungen kann viel erreicht werden. In Spreitenbach wurde in der ehemaligen Gefängniszelle eine Dusche eingerichtet, und in der Tiefgarage konnte ein Parkfeld für Velos reserviert werden.

Pragmatische Verkehrspolitik
Auch in der regionalen Verkehrspolitik setzt Bertschi auf Pragmatismus. «Das kantonale Netz der Velorouten greift innerhalb der Gemeinde nicht. Deshalb sind wir selber aktiv geworden», erklärt er. «Wir haben alle Wege im Dorf mit dem Velo abgefahren.» Nach der Analyse wurde gehandelt: Neue Markierungen und sichere Routen wurden ausgeschildert und Veloabstellplätze sowie Beleuchtung auf dem ganzen Gemeindegebiet erneuert oder verbessert.
Bertschi sieht aber auch auf kantonaler Ebene Handlungsbedarf. So sei auf der kantonalen Veloroute von Killwangen nach Neuenhof eine Teilstrecke von über einem Kilometer gänzlich unbeleuchtet. «Hier sind die Verantwortlichen gefordert», sagt der charismatische Gesetzeshüter, bevor er mit dem Velo und auf ebendieser Strecke den Heimweg in Angriff nimmt.
Über 3000 Kilometer hat er auf seinem Bike im letzten Jahr zurückgelegt, und eines ist sicher: Auch dieses Jahr werden wieder einige tausend dazukommen. Der Chef der Regionalpolizei Spreitenbach wird sich weiterhin für die «Sache Velo» engagieren.

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