Ein bewegtes Jahr

Pro Velo ist nicht nur national, sondern auch regional stark engagiert. An dieser Stelle gibt Velojournal einen kleinen Rückblick auf erfolgreiche Aktionen aus dem Jahr 2014.

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Fabian Baumann
02.02.2015

GESTOPPT
Rettung in letzter Sekunde
Veloabstellplätze sind rund um grosse Bahnhöfe oft Mangelware. Da ist Luzern keine Ausnahme. Um ein Haar wäre die Situation noch prekärer geworden. Luzern Tourismus, die neben dem Bahnhof gelegene Touristeninformation, störte sich an 60 Fahrradparkplätzen auf dem Trottoir vor ihrem Eingang. Diese versperrten die Sicht und den Fussgängern den Weg, so die Meinung des Tourismusbüros. Darum wurde beim Luzerner Stadtrat beantragt, die Veloabstellplätze aufzuheben. Am 23. September 2014 teilte der Stadtrat mit, dass die Abstellplätze per Ende September abgebaut würden. Pro Velo blieb wenig Zeit, zu reagieren. Mit Unterstützung von Parlamentarierinnen und Parlamentariern wurde ein Postulat eingereicht, um den Abbau zu stoppen. Mit Erfolg. Schliesslich musste Ende Oktober das städtische Parlament entscheiden. Das Votum fiel denkbar knapp aus. Mit 22 zu 21 Stimmen sprach sich die Luzerner Exekutive für den Erhalt der Veloparkplätze aus.

IN FAHRT KOMMEN
Bern geht in die Offensive
Bern will bis 2030 den Radanteil am Gesamtverkehr von heute 11 auf 20 Prozent steigern. Das Ziel ist ambitioniert. Deshalb hat der Berner Gemeinderat im vergangenen Jahr eine «Velo-Offensive» ausgerufen. Vorerst bleibt es aber beim verwaltungsinternen Prozess. Eine konsequente Veloförderung habe nur Erfolg, wenn sie von der Stadtverwaltung mitgetragen werde, liess die Berner Exekutive vermelden. Pro Velo Bern zeigte sich erfreut. Schliesslich hätten die grossen Tramprojekte der letzten Jahre gezeigt, dass Veloanliegen immer erst am Schluss berücksichtigt werden. Eine Velokultur entstehe aber nur, wenn das Bewusstsein für Velomassnahmen von Anfang an in  die Planung einfliesse. Den Beschluss des Gemeinderats bezeichnet die Radlobby deshalb als nötigen Schritt. Pro-­Velo-Bern-Präsident David Stampfli ergänzt das am Beispiel der Lichtsignalanlagen: «Rotlichter werden dann respektiert, wenn sie auch sinnvoll sind. Es ist zentral, dass die Infrastruktur auf die Bedürfnisse des Veloverkehrs abgestimmt wird.» Daher müsse der Fokus nicht nur auf die Zukunft, sondern auch auf die bestehende Infrastruktur gelegt werden.

SCHWUNG HOLEN
Auf und ab in Stadt und Land
In Basel-Stadt gibt es einen neuen Teilrichtplan Velo. Dieser will mit der Schaffung von Basis- und Pendlerrouten das Radfahren im Stadtkanton voranbringen. Was auf dem Papier gut aussieht, müsse aber auch konsequent umgesetzt werden, heisst es bei Pro Velo beider Basel. Die Radlobby erinnert daran, dass etwa das im Sommer 2014 im Regierungsleitbild versprochene Veloverleihsystem bereits im Herbst wieder verworfen wurde. Harzig gestaltet sich die Veloförderung auch im Baselbiet. So zeigt sich Pro Velo wenig zuversichtlich, dass das bis 2020 geplante Routennetz im Landkanton realisiert werden könne. Das Jubiläumsjahr – Pro Velo beider Basel feiert 2015 ihr 40-jähriges Bestehen – soll genutzt werden, um der Lobbyarbeit frischen Wind zu verleihen.

PAUSE MACHEN
Kaffee juhee
Mitglieder von Pro Velo Luzern kommen seit Sommer 2014 in den Genuss einer besonderen Aktion. Entstanden ist sie auf Initiative von Andrea Näpflin und Nadja D’Amico. Die zwei Frauen konnten Gastronomiebetriebe der Region dazu bewegen, Pro-Velo-Mitgliedern einen kleinen Vorteil zu gewähren. Das Projekt «Coffee n’Bike» nahm – auch dank der Unterstützung eines Zivildienstleistenden – Fahrt auf. Wer mit dem Velo unterwegs ist und den Mitgliederausweis sowie den Konsumationspass von «Coffee n’Bike» zur Hand hat, erhält nun in über zwanzig Cafés, Restaurants und Bars in der und um die Stadt Luzern Vergünstigungen.

ÜBERS VELO SINNIEREN
Ein Igel im Thurgau
Fällt im Kanton Thurgau das Stichwort Velo, dann im Zusammenhang mit dem Tourismus. Ein Radweg führt entlang des Bodensees, die Infrastruktur für Alltagsradlerinnen und -radler sei jedoch oft mangelhaft, kritisiert Pro Velo Thurgau. In Politik und Verwaltung fehlten Wissen und Bewusstsein für die Probleme der Velofahrenden. Das soll sich dank der «Igel» ändern. Hinter dem Begriff versteckt sich kein stachliges Tier, sondern die kantonale «Interessengemeinschaft Langsamverkehr», die auf Initiative von Pro Velo 2014 gegründet wurde. Zweimal pro Jahr treffen sich Politiker und Interessenvertreterinnen, um sich über den Fuss- und Veloverkehr zu unterhalten. Neben der Fahrradlobby, dem lokalen VCS sowie dem Verein Thurgauer Wanderwege nehmen auch die Städte Arbon und Kreuzlingen, das kantonale Tiefbauamt sowie Parteien von rechts bis links an der «Igel» teil. Pro Velo ist zuversichtlich, dass es im Thurgau demnächst eine Politik gibt, die über das Thema Seeradweg hinausreicht.

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