Hübsch waren die Fotos im letzten velojournal – Velogewimmel mitten in der Stadt, aber kein Auto weit und breit: Genau so stelle ich sie mir vor, die gute alte Zeit. Noch lieber wäre mir, wenn ich heute oder in naher Zukunft solche Fotos machen könnte, und zwar, ohne dafür erst einen Platz absperren und StatistInnen engagieren zu müssen. Aber das wird wohl ein Traum bleiben … Warum eigentlich?
Geht es etwa um Elektrizität, haben sich die Zeiten nicht erst seit Fukushima geändert: Strom sparen gehört zum guten Ton. Und es hat erst noch den willkommenen Nebeneffekt, dass die Stromrechnung tiefer ausfällt.
Anders bei der Mobilität. Was hat man davon, tagtäglich etwas zum Gemeinwohl beizutragen, indem man sich per Velo fortbewegt und weder endliche Ressourcen verbrennt noch schädliches CO2 in die Luft ablässt – und erst noch bis zu 25-mal energieeffizienter unterwegs ist als die AutofahrerInnen? Man wird auf der Strasse bestenfalls geduldet oder auf Velowege auf dem Trottoir verwiesen – und dort prompt zu dem gemacht, was man gemäss der Terminologie der PolitikerInnen zu sein hat: «Langsamverkehr».
Noch nicht lange ists her, da war der hohen Politik zu Bern nicht mal mehr bewusst, dass es bis zum Aufkommen des Autobooms das Normalste der Welt gewesen war, mit dem Velo zur Arbeit zu fahren. Im «Bericht über das Konzept Bahn 2000» vom 16. Dezember 1985 heisst es beispielsweise: «Diese flächendeckende Erschliessung durch den öffentlichen Verkehr sichert die Mobilität aller Bevölkerungsschichten. Eine solche Mobilitätsvorsorge hat (…) vor allem für alle diejenigen entscheidende Bedeutung, die keine freie Verkehrsmittelwahl haben.
So verfügt rund ein Drittel aller Haushalte über keinen Personenwagen, und durchschnittlich 30 Prozent aller Personen über 14 Jahre sind auf das öffentliche Verkehrsmittel angewiesen, da ihnen als Alternative nur der Fussmarsch, das Fahrrad oder das Taxi zur Verfügung steht.» Die «freie Verkehrsmittelwahl» anno 1985 hiess also «freie Wahl zwischen Auto und öV».
Und heute? Neben dem Stromsparen beschäftigt uns auch der Klimawandel. Vom «Mobilitätsenergie-Sparen» redet keiner, höchstens von «effizienteren» Autos. Das liegt wohl daran, dass wir Strom mühsam herstellen müssen, während sich Erdöl immer noch aus der Erde holen und ohne grosse weitere Anstrengungen nutzen lässt. Es wird zwar weniger, aber dann erfindet man halt neue «Erntemethoden» wie Fracking – Umweltzerstörung inbegriffen.
Sollen wir also den Kopf hängen lassen und jammern? Sicher nicht. Früher oder später setzt sich die Erkenntnis durch, dass Energieeffizienz bei der Mobilität um Welten einfacher zu erreichen wäre, wenn man sich nicht darauf versteift, den Energieverbrauch seiner Karre von 6,5 auf 6,4 Liter pro 100 km zu senken, sondern ganz einfach auf das energieeffizienteste Gefährt setzt. Und dann haben wir die Nase vorn.







