Effizienz ist gut – Suffizienz ist besser

Der Bundesrat hat die Energiestrategie 2050 vorgestellt. Damit geht er einen weiteren Schritt, um die Energiewende in der Schweiz zu konkretisieren. Das Velo kommt dabei nur am Rande vor. Pro Velo fordert deshalb eine Gesetzesänderung.

no-image

Christoph Merkli
06.02.2013

Die Energiestrategie des Bundes will einerseits die Produktion von Energie nachhaltiger machen, andererseits den Verbrauch senken. Ein gutes Drittel des Verbrauchs dient der Mobilität, wovon 96 Prozent aus fossilen Energiequellen (Erdöl, Erdgas) stammen. Wenn der Bundesrat hier Massnahmen vorschlägt, dann nicht nur, um Energie zu sparen, sondern auch, um den Ausstoss von Luftschadstoffen zu vermindern. Auf der vom Bund präsentierten Massnahmen­liste finden sich unter anderem eine Verschärfung der CO2-Emissionsvorschriften auf 95 g?/?km (heute: 130 g?/?km), ein Bonus-Malus-Modell bei der Automobilsteuer, die Förderung von Ecodrive und die «intelligente» Vernetzung der Verkehrsträger.
Bei der Vernetzung der Verkehrsträger ist das Velo immerhin mitgemeint, denn es wird ja von vielen Menschen mit dem
öffentlichen Verkehr kombiniert. Eine ausdrückliche Erwähnung des Velos, also des energieeffizientesten Verkehrsmittels überhaupt, sucht man in der Energiestrategie jedoch vergeblich. Um dies zu verstehen, muss man sich in eine enge Logik hineindenken: Gut ist, wenn Fahrzeuge pro Kilometer weniger Energie verbrauchen. Braucht ein Fahrzeug – wie das Velo – gar keinen Treibstoff, lässt sich auch nichts sparen. Aus diesem Grund hat sich das Bundesamt für Energie aus der Förderung des Veloverkehrs weitgehend verabschiedet.

Weiche Massnahmen
Die Effizienzstrategie ist zwar gut und hilft, sehr viel Energie einzusparen. Unter anderem, weil eine Senkung des Grenzwertes früher oder später für alle in der Schweiz zugelassenen Fahrzeuge gilt. Doch es fehlt die sogenannte «Suffizienz»- oder Verzichtsstrategie, die eine Verlagerung von Mobilität auf weniger motorisierte oder ganz motorlose Fahrzeuge oder die eigenen Füsse fördern will. Pro Velo Schweiz fordert deshalb in ihrer Stellungnahme an den Bund, dass das Gesetz ausdrücklich die Möglichkeit vorsieht, dass der Bund das Velofahren fördern kann. Dabei geht es Pro Velo um Massnahmen bei der Raumplanung, der Infrastruktur und vor allem um sogenannte «weiche» Massnahmen: Information, Imageförderung, Sensibilisierung und Aktionen. Plakatwände in den Strassen und Werbeblöcke am Fernsehen versprechen allzu oft Freude am Autofahren und dadurch gewonnene Freiheitsgefühle. Das Velo taucht viel zu selten auf, im schlimmeren Fall in der Rolle einer Gefahr, der man mithilfe eines Velohelms begegnen soll. Dabei haben schon viele europäische Städte und Länder vorgemacht, wie lustvoll und erfolgreich Velofahren vermittelt werden kann.

Deutschland machts vor
Erwähnt sei an dieser Stelle die erfolgreiche deutsche Aktion «Kopf an – Motor aus» (www.kopf-an.de). Die grossen Plakate an Bussen und Gebäuden waren nicht zu übersehen. Die wissenschaftliche Auswertung ergab, dass in der Zielgruppe, also bei allen Personen, die zumindest gelegentlich über ein Auto verfügen können, fast zwei Drittel durch die Kampagne beeinflusst worden sind. Für derartige Kampagnen braucht es jedoch öffentliche Gelder, denn der Fahrradmarkt allein kann die entspre­chen­­den Mittel nicht aufbringen. Dass sich Investitionen in die Veloförderung lohnen, zeigt eine kürzlich veröffent­lichte norwegische Studie: Pro Neulen­kerIn spart der Staat jährlich rund 4000 Franken für Gesundheit, Infrastruktur und Umweltschutz. Investitionen in Millionenhöhe sind da vergleichsweise rasch amortisiert.

Siehe auch:
www.velojournal.ch/archiv/jahrgang-2011/ausgabe-1-2011/kopf-aus-motor-an.html

Empfohlene Artikel