Du weisst nie, was kommt

Ein Grossteil der Unfälle geschieht wegen Missachtung der Vortrittsregeln. Betroffen sind sowohl Velos wie Motorfahrzeuge. Die Velofahrenden tragen aber meistens den grösseren Schaden davon. Pro Velo hat deshalb eine Kampagne initiiert, die im April startet.

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Daniel Bachofner
18.03.2014

Wer gedankenlos drauflosfährt oder abgelenkt ist, übersieht leicht, dass er oder sie an einer Einmündung keinen Vortritt hat. Kommt hinzu, dass viele die Rechtsvortritts-Regelung gar nicht kennen. Gerade der letzte Punkt ist fatal, denn in den zahlreichen Tempo-30-Zonen wird bei den Verzweigungen die bisherige Regelung «Kein Vortritt» konsequent durch Rechtsvortritt ersetzt. 600 von 900 Unfällen, bei denen Velofahrerinnen oder Velofahrer schwer verletzt oder sogar getötet wurden (Zahlen 2011), sind auf Kollisionen zurückzuführen; die übrigen sind Selbstunfälle. Eine grosse Rolle spielen dabei das Linksabbiegen und die Situationen mit «Kein Vortritt» oder «Stopp». Diese Tatsache hat Pro Velo Schweiz dazu bewogen, zusammen mit anderen Organisationen eine grosse Sensibilisierungskampagne zu lancieren.

Keine Schuldzuweisungen

Schuld an den Kollisionen sind etwa je hälftig die Velo- und die Autolenker­Innen. Konsequenterweise richtet sich die Kampagne an beide Gruppen. Im Vordergrund stehen die Aufforderungen, sich an die Vortrittsregeln zu halten, den Kontrollblick zu machen und sich sichtbar zu verhalten. Denn: Du weisst nie, was kommt! Den Initianten der Kampagne war es wichtig, Schuldzuweisungen zu vermeiden, denn Fehler machen alle. Die Kampagne will zudem den Geist des gegenseitigen Respekts und der Rücksichtnahme kommunizieren.
Die Kampagne arbeitet mit Plakaten an den Strassen innerorts und ausserorts, zudem gibt es TV-Spots und Inserate. Zusätzlich kann für grosse und kleine Aussenauftritte ein Glücksrad eingesetzt werden; damit verbunden sind Give-aways, die Freude machen und gleichzeitig die Hauptbotschaften der Kampagne an die Menschen bringen.

Alle machen mit

Erstmals in der Geschichte der Verkehrssicherheits-Kampagnen haben sich alle wichtigen Organisationen und Verbände für eine Velokampagne zusammengeschlossen: Pro Velo bildet zusammen mit dem VCS, der Suva, dem TCS und der bfu die Projektleitung; auch die Polizei und Swiss Cycling sind eingebunden und werden die Botschaften verbreiten. Die Finanzierung ist durch Gelder aus dem Fonds für Verkehrssicherheit (FVS) gedeckt, und die kreativen Ideen stammen von der renommierten Medienagentur Contexta in Bern.

Weitere Informationen unter: www.vorsicht-vortritt.ch

Handlungsanweisungen für Velofahrende

Das sind die Aufforderungen der Kampagne an die Velofahrenden:

  • Respektiere die Verkehrsregeln, das heisst, halte bei Rotlicht und bei «Stopp» immer an.
  • Verlangsame bei «Kein Vortritt» und Rechtsvortritt so früh, dass du rechtzeitig anhalten kannst.
  • Gewähre beim Linksabbiegen dem Gegenverkehr den Vortritt.
  • Biege erst links ab, nachdem du zurückgeschaut und ein Armzeichen gegeben hast.
  • Mach den Kontrollblick, das heisst,  mach bei «Stopp» und «Kein Vortritt» den Kon­trollblick nach links, vorne und rechts.
  • Mache vor jedem Abbiegen den Schulterblick.
  • Mach dich bemerkbar, das heisst, halte genügend Abstand vom Fahrbahnrand.
  • Gib vor jedem Abbiegen und Spurwechsel ein klares Armzeichen.
  • Fahre vor dem Einbiegen in den Kreisel und auch im Kreisel selber in der Mitte der Fahrbahn.
  • Sei dir bewusst, dass du im toten Winkel nicht gesehen wirst und andere nicht sehen kannst.
  • Mach dich sichtbar, trage helle, reflektierende Kleider.
  • Stelle sicher, dass dein Velo bei Dämmerung und Dunkelheit ausreichend beleuchtet ist.

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