Ich fahre jeweils dem Seeufer entlang zur Arbeit. So auch an jenem Morgen, an dem ein älterer Herr sein Hündchen dort ausführte. Um diesem einen grossen Auslaufradius zu gewähren, hielt er es an einer dieser meterlangen Leinen. Nicht, dass mich der Auslaufradius des Hündchen stören würde. Aber der ältere Herr spazierte gedankenversunken ganz rechts auf der Uferpromenade, während das Hündchen ganz links die Bäume beschnupperte, sodass die Leine eine Art Barriere bildete. Ich fuhr etwas gedankenverloren in der Mitte. Auf das plötzliche lautstarke «Halt» des Herrn reagierte ich mit einer Vollbremsung, was auf dem Kiesbelag in einem Vollsturz mündete. Resultat: aufgeschürfte Waden, aufgerissene Handinnenfläche, blaugeschlagene Oberschenkel. Herr und Hündchen blieben unversehrt. Wer ist schuld?
Mit besten Grüssen
Elsa M.
Sehr geehrte Frau Metzger
Da tummeln sich ja einige Hans-guck-in-die-Lufts in dieser Geschichte: Sie schauen nicht, der Mann schaut nicht, und auf den Hund ist sowieso kein Verlass in solchen Situationen. Das Hündchen trägt also keine Schuld.
Eine mögliche Lösung wäre, jeden Hund mit einem Alarmsignal auszustatten, das einen gellenden Ton von sich gibt, wenn ein Velo der Leine zu nahe kommt: sozusagen eine umgekehrte Ultraschallpfeife zur Abwehr von Velos. Ob damit allerdings Unfälle vermieden würden, ist zumindest fragwürdig. Alternativ könnte man älteren Menschen verbieten, einen Hund zu halten: Analog zur Autoprüfung müsste man ab einem gewissen Alter eine «Aufmerksamkeits-Hundehalter-Prüfung» machen. Wer durchfällt, muss den Hund abgeben.
Die einfachste Lösung allerdings wäre, wenn alle einfach die Augen aufmachen würden. Denn wie schrieb doch damals Heinrich Hoffman? «Kam ein Hund daher gerannt; Hänslein blickte unverwandt in die Luft. Was geschah? Pauz! Perdauz! Da liegen zwei! Hund und Hänschen nebenbei.»
Ihr Dr. V. Love
Ihre Fragen an: dr.v.love@velojournal.ch







