Die Freisinnigen sind mit dem Velo unterwegs. Die einen mit einem richtigen, andere mit Stromunterstützung, dritte mit einem Tandem, auf dem mehrere Personen fahren. Was ist davon zu halten? Sagt dies, dass FDP-Präsident Fulvio Pelli und Wirtschaftsturbo Otto Ineichen zwar gute Gümmeler sind, ihnen aber niemand nachkommt? Was ist – vor den Wahlen – von diesem PR-Gag zu halten?
Mit freundlichen Grüssen
O. C. W., Oberbüren
Sehr geehrter Herr Walter
In Vorwahlzeiten sprechen ja alle immer von der Veloförderung, und wenn eine Partei diese mal konsequent und mit harter Parteidisziplin durchsetzt, ist es auch wieder nicht recht. Zugegeben, eigentlich ging es bei dieser «Tour Libéral» weniger um die Veloförderung als um politische Symbolik. Liest man die FDP-Pressemitteilung, so stand die Aktion für den Erhalt von Arbeitsplätzen, die Verhinderung des Rentenkollapses und für den Abbau von Bürokratie. Neben ihren Treffen mit Seniorinnen und Gewerblern sammelte die Partei auch Unterschriften. In den Worten der Liberalen: «FDP dank Velo-Wahlkampftour topfit – jetzt eine Fitnesskur für die Schweiz!»
Allzu rigoros wird diese Kur aber wohl nicht ausfallen. Da kann ich alle Verteidiger des Sozialstaates beruhigen: Die Damen und Herren Liberalen begannen ihre Tour in Wohlen, wo sie Elektrovelos der Firma Stromer erhielten. Dies bringt eventuell die Grünliberalen ein bisschen ins Schwitzen, aber sicher nicht die Tour-Teilnehmenden. Dann standen verschiedene reichhaltige Apéros auf dem Programm, was nicht auf radikalen Sozialabbau, sondern eher auf eine Häppchen-Politik hinweist. Drittens fuhr der Beinahe-Rentner Pelli den meisten davon, was mich doch etwas am Standvermögen der jüngeren FDPler in den harten Kämpfen für eine neoliberale Schweiz zweifeln lässt. Viertens schliesslich verlief die Tour in fünf Tagen über gut 200 Kilometer durch das doch einigermassen flache Mittelland – von Wohlen nach Bern. So wird die Schweiz ihren überflüssigen Sozialstaat-Speck kaum los. Eine Passtour durch Graubünden, das Wallis und das Tessin hätte uns da doch deutlich mehr Sorgen bereiten können.
Ergebenst, Ihr Dr. V. Love
Ihre Fragen an dr.v.love@velojournal.ch







