Dr. V. Love

Sind die Holländer eine Gefahr für Velofahrerinnen und -fahrer im Alpenraum? Dr. V. Love kennt die Antwort.

Dr. V. Love, Velosoph (dr.v.love@velojournal.ch)
VLove, 16.09.2010

Kürzlich las ich in einer Meldung, dass in Österreich ein holländischer Tourist einen prominenten Exskifahrer und TV-Moderatoren verprügelt hat, weil dieser ihm seiner Meinung nach die Strasse versperrte und «schlicht auf die Nerven ging». Ein ähnliches Erlebnis hatte ich kürzlich auf einer schnurgeraden Überlandstrasse, als ein grosser Camper mit holländischen Kennzeichen auf meiner Höhe voll auf die Hupe stand. Vor Schreck wäre ich fast in den Graben gefahren, leicht hätte noch viel Schlimmeres passieren können.Was ich nicht verstehe: Holland gilt doch eigentlich als fahrradfreundliche Nation! Haben wir es in den Alpenländern zunehmend mit wild gewordenen «Problemholländern» zu tun? Und was macht man mit diesen? Zurückschaffen? Oder «entzivilisieren», wie die Problembären?

Mit besten Grüssen
Friedrich H.

Sehr geehrter Herr Hüttenmoser

Ja, sie werden frecher, die Holländer. Früher waren sie noch zahm und blockierten nur mit ihrer Flachland-Fahrweise wie Schafherden die Bergstrassen. Nun sind sie ausgewildert: Kurven fah­ren können sie zwar immer noch nicht, aber auf den Geraden, da zeigen sie ihre aggressive Seite. Wie der Walliser Wolf erschrecken sie friedliche Velofahrer. Der erste Radler-Riss ist da nicht mehr weit.

Leider erlauben die Abkommen zur Personenfreizügigkeit dem Bundesrat nicht, uns Velofahrenden eine Abschussbewilligung für Problemcamper zu erteilen. Ob die Subventionierung der Ausbildung von Velo-Schutzhunden sinnvoll ist, wird gegenwärtig von der BfU geprüft. Diese Hunde müssten aber für ihren eigenen Schutz einen Helm tragen, was in der Vernehmlassung von Tierschutz und WWF umgehend und scharf als «nicht artgerechte Haltung» kritisiert wurde.

Ich schlage deshalb vor – analog zu den bärensicheren Abfalleimern –, in den Alpen mehr «holländersichere» Strassen zu bauen. Mobile Hindernisse könnten auf besonders gefährdeten, geraden Streckenabschnitten als temporäre Schikanen aufgestellt werden. Längerfristig gibt es aber nur eine Lösung: Alle Strassen in Touristengebieten mit mehr als 200 Metern gerader Fahrbahn müssen im Rahmen flankierender Massnahmen mit zusätzlichen Kurven ausgestattet werden.

Ihr Dr. V. Love

Ihre Fragen an: dr.v.love@velojournal.ch

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