Ich bin etwas verwirrt – ich lese in Ihrem Heftli, dass ab 1. Juli für die schnellen Elektrovelos eine Helmpflicht besteht. Ich fahre seit zwei Jahren einen Flyer und bin sehr zufrieden damit. Wenn ich nun den Berg hinunterfahre, fahre ich ja meistens deutlich schneller als 25 km/h, obwohl ich sonst nur «langsam» unterwegs bin. Muss ich mir nun auch einen Helm kaufen? Im Fernsehen hat die Frau von der Beratungsstelle für Unfallverhütung gesagt, dass gerade die Älteren besonders gefährdet sind. Ich bin 62 Jahre alt.
Hansruedi G., Merlischwanden
Lieber Herr Guggerli
Sie erkundigen sich nach der Helmpflicht. Eigentlich aber steht Ihr Recht auf Mobilität auf dem Spiel. Die Schweiz versucht, die Alten im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Weg zu schaffen. Da die «Überfremdung» nicht mehr zieht, wird die «Überalterung» jetzt für alle möglichen Probleme verantwortlich gemacht – auch im Verkehr. Zuerst versuchte man es mit «freiwilligen» Massnahmen: «Seien Sie kritisch mit sich», heisst es da in einer Broschüre der BfU, die älteren Menschen rät, den Führerschein abzugeben. Weil das nicht funktionierte, führte man obligatorische Tests ab 70 ein. Das Resultat: Die Alten haben so viel Angst vor dem Autofahren bekommen, dass sie auf die E-Bikes geflohen sind.
Eine gute Lösung, würde man denken. Die Verkäufe kurbeln die Wirtschaft an, ältere Menschen sind sicherer unterwegs und tun erst noch etwas für ihre Gesundheit. Nun aber heisst es plötzlich auch hier, Pensionäre seien auf dem E-Bike eine Gefahr. Sie müssten Kurse besuchen und auf SchweizMobil-Wegen ghettoisiert werden.
Ich rate Ihnen: Machen Sie da nicht mehr mit. Werfen Sie den Helm weg, fahren Sie bergab 50 km/h und frisieren Sie Ihr Elektrovelo. Oder noch besser: Ignorieren Sie einfach das ganze Geschwätz, kaufen Sie sich die Harley, die Sie schon immer wollten, und werden Sie – halb blind, taub und lahm, aber mit hoher Geschwindigkeit – endlich zu einem Sicherheitsrisiko, das diesen Namen auch verdient!
Ihr Dr. V. Love







