Ethik auf Rädern

Ist Velofahren ethisch vertretbar? Dr. V. Love gibt Auskunft.

Dr. V. Love, Velosoph (dr.v.love@velojournal.ch)
VLove, 27.05.2011

Das Velo wird heute auf der ganzen Welt gefördert. Doch in den autoverrückten USA ist nun eine Debatte über den Sinn dieser Förderung entbrannt. So glaubt der Kolumnist The Ethicist im «New Yorker», dass in einer grossen Stadt das Velo das ethischste Verkehrsmittel ist, und dass Eltern ihren Kindern Velofahren beibringen müssen, wenn sie nicht unmoralisch sein wollen. Der Satiriker P.J. O’Rourke hingegen nennt das Velo im «Wall Street Journal» eine «Plage»: In seiner teilweise ironischen, aber nicht nur scherzhaften Polemik wirft er Fragen auf: Lassen sich auf dem Velo pro Quadratmeter an wertvoller Strasse wirklich mehr Leute transportieren als in einem Minivan? Sollen Velofahrer auf ihre Verkehrstüchtigkeit geprüft werden? Wie ethisch ist also das Velofahren? Und was muss ein ethischer Radfahrer beachten? Was meinen Sie dazu?

Bernhard Z. aus A.

Sehr geehrter Herr Zülligan

Ethik im Verkehr ist in der Tat dringend notwendig – und sie muss von den VelofahrerInnen kommen. Wir können lange über den Opferstatus der Velofahrenden diskutieren, die von den dicken Boliden immer weiter an den Rand gedrängt werden und sich deshalb nur mit asymmetrischer Kriegsführung zu helfen wissen.

Doch letztlich sind dies Ausreden. Schauen wir uns nur die Zahlen an: Velos machen gerade einmal sechs Prozent des Verkehrs aus und erhalten trotzdem eigene Streifen, die fast halb so breit sind wie Autofahrspuren und erst noch öffentlich subventioniert. Ist das ethisch? Und ist es ethisch, wenn die Steuerzahlerinnen die Velofahrenden dafür subventionieren, die Verkehrsregeln zu missachten, Fussgängerinnen zu erschrecken und Autofahrer mit ihrem erratischen Stil zu stressen?

Aus ethischer Sicht gibt es nur eines: Die Velos in den Keller stellen und die Strassen von ihnen befreien. Dann müssen wir uns auch nicht länger mit unethisch komplexen Fragen befassen: Klimaerwärmung, Verkehrskonflikte oder die Zukunft des Planeten sind dann Sache der Stärkeren. Sie gewinnen, und wir können in Ruhe weiterschlafen.

Ihre Fragen an dr.v.love@velojournal.ch

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