Lieber Herr Doktor
Wozu haben E-Bikes eine Übersetzung?
Die meisten haben zwar am Hinterrad Ritzel mit etwa zehn Kränzen. Aber die Kette ist immer auf dem kleinsten Kranz, also im grössten Gang. Egal, ob sie an der Ampel anfahren oder eine ansehnliche Steigung bewältigen.
Das ergibt zwei Folgerungen:
1. E-Bikes machen denk- und schaltfaul.
2. Gewisse E-Bikes holen deutlich über 90 Prozent der Antriebsleistung aus dem Akku und nicht aus den Muskeln der Pedalenden.
Danke für eine Diagnose (und eventuell eine Therapie).
Thomas Schneeberger, Bern
Lieber Herr Schneeberger
Gemach! Ich verstehe Ihre Aufregung nicht so ganz. Einem E-Bike-Fahrer zu unterstellen, er sei bequem oder faul, ist doch etwa so, wie wenn Sie einem Schimmel vorwerfen würden, dass er weiss sei. Wer sich ein Zweirad mit Batterieklumpen anschafft, macht das ja genau deshalb, weil er angenehmer vorwärtskommen möchte. Betrachten Sie das ganze Kranzgedöns am Ritzel also eher als eine Art Dekoration. Das seltsame Zwittergefährt soll halt weiter die Message «Ich bin ein Velo, im Fall!» ausstrahlen. Und natürlich dient die pseudovollwertige Gangausstattung auch zur Gewissensberuhigung: Schön zu wissen, dass man als E-Biker könnte, wenn man wollte.
Hier meine Replik zu Ihren Folgerungen:
1. Logisch. Darum kauft man sie ja.
2. Logisch. Darum fährt man sie ja.
Daraus ergibt sich (als Therapie): Wenn Sie Ritzel und Kränze so richtig nach Herzenslust strapazieren wollen, fahren Sie ein hundskommunes Rennvelo. Und falls Sie auf Ihren Fahrten E-BikerInnen treffen, schalten Sie, so viel Sie können, schalten Sie dem Teufel ein Ohr ab, während leicht übergewichtige RentnerInnen auf ihren Batterievelos Sie lässig überholen und Ihnen zuwinken. Und: Fühlen Sie sich klar und deutlich moralisch überlegen.
So läufts! Den Finger nicht im Wind, sondern in der Steckdose, winkt: E-Dr. Love
Ihre Fragen an: dr.v.love@velojournal.ch
Dr. V. Love,
Velosoph
(dr.v.love@velojournal.ch)
VLove,
21.03.2018







