Lieber Dr. V. Love
Kürzlich war zu lesen, dass nach den OBikes nun auch E-Roller nach Zürich drängen. Mir schwant Fürchterliches. Bald geht es in der Stadt zu und her wie in asiatischen Metropolen, wo Roller wie Wespenplagen unterwegs sind. Auf dem Veloweg wird es kein Durchkommen mehr geben, weil die E-Roller mir den Platz streitig machen. Dagegen möchte ich mich frühzeitig wappnen. Was raten Sie als Experte mir?
Sandra B. aus Z.
Liebe Frau B.
Easystyle! Der Verkehr in Zürich, wie er sich heute in seiner ganzen Tristesse präsentiert, wird ja dominiert von absurd überdimensionierten SUV, die auf den Strassen herumstehen, weil dort nichts geht. Und es geht nichts, weil dort all die SUV herumstehen. Es regiert der Stillstand – verursacht durch kampfpanzerartige, luxuriös ausgestattete Blechtonnen auf dicken Rädern. Man wappnet sich gegen die böse Welt draussen und hat das nötige Kleingeld, um sich zu diesem Zweck den neuen Mercedes GLE oder Range Rover Evoque zuzulegen – nur um damit Morgen für Morgen, Abend für Abend von Bordkomfort umgeben, ängstlich und gestresst im Stau zu stehen. Willkommen in Downtown Switzerland! Holaduli!
Ein paar flink rumbretternde E-Roller, die diese stehenden Kolonnen überholen, schaden dem trägen Sack Zürich also eher nicht. Darum mein Tipp: Geben Sie Ihren – leicht ins Apokalyptische lappenden – Asienmetropole-Szenarien einen Twist ins Positive. Denken Sie sich ins pittoreske Örtchen in Ligurien, wo Sie während der Zürcher Schulherbstferien jeweils den Sommer verlängern und wo Sie die auf ihren Vespas herumheizende Dorfjugend jeweils geschmeidig in Ihre Hach-das-ist-südliche-Lebensfreude-Optik integrieren. Haben Sies? Gut! Nun? Antizipieren Sie, kaufen Sie sich einen Roller!
Es grüsst elektrisiert: der Einmann-Wespenschwarm von der Cramerstrasse,
Dr. Love
Ihre Fragen an: dr.v.love@velojournal.ch
Dr. V. Love,
Velosoph
(dr.v.love@velojournal.ch)
VLove,
15.11.2017







