Velo-Gspänli

Jeden Winter setzen sie einem wieder zu, die angefutterten Guetzlipfunde. Abhilfe bietet fleissiges Treten auf der Rolle. Oder ist das ein Irrtum?

Dr. V. Love, Velosoph (dr.v.love@velojournal.ch)
VLove, 22.03.2017

Geschätzter Doktor
Wo finde ich das zu mir passende Velo-Gspänli? Bisher habe ich immer versucht, an Veloanlässen jemanden kennenzulernen. Doch von slowUp und Velobörse bin ich stets allein nach Hause gekommen. Haben Sie bessere Tipps?
Sandra Troxler, Zürich
 
Liebe Sandra Troxler
Natürlich. Darum mache ich hier das, was ich hier mache. Meine Kurzanalyse besagt zunächst: Ihr Suchkriterium «Gspänli» ist gelinde gesagt etwas vage. Reden wir von einem Partner zur Erfüllung amouröser Sehnsüchte? Schwebt Ihnen etwas wie «meine beste Velofreundin» vor? Oder das Pendant zu einem kleinen Wandergrüppli auf zwei Rädern? Schwierig. Aber keine Bange, Dr. Love macht das schon!
Zunächst einmal: Dass Sie von den erwähnten Velohappenings jeweils allein nach Hause kommen, erstaunt mich nicht wirklich. Die ProtagonistInnen an den slowUps treten ja fast immer schon als Gspänli dort auf. Diese «Schatz, wir könnten uns doch auch mal wieder bewegen»-Tummelplätze von Familien und Pärchen machen es Velosingles fast unmöglich, Kontakte zu knüpfen.
An Velobörsen liegt der Fall etwas anders, aber wer auf der Suche ist nach einem Bottecchia-Renner aus den Siebzigerjahren mit Original-Campagnolo-Kettenwechsler, einem Citybike mit adrettem Körbchen am Lenker, nach einem Liegevelo oder einem Trailerbike für die Kids, der oder die ist kaum offen fürs Connecten. An Velobörsen geht es nämlich zu wie überall, wo viele aufs Mal ein potenzielles Schnäppchen wittern: Menschen werden zu Hyänen.
Kontakte, die zu Liebe, Freundschaft pp. führen, fliegen einer – man weiss es – eben oft zu, wenn man sie nicht erwartet. Also: Bleiben Sie locker, fahren Sie Velo wie eine Flaneuse, meiden Sie steile Rampen (Schweiss und seine olfaktorischen Folgen sind selten wirklich attraktivitätssteigernd), cruisen Sie ins Blaue, und suchen Sie die Ufer von Gewässern auf. Dort sind die Menschen: entspannt. Wer entspannt ist, ist offen für Neues – für Zweisamkeit, Liebe, Kameraderie.
Und wenn alles nichts nützt? Dann halten Sie sich an den grossen finnischen Sänger M.A. Numminen und seine Ode ans Velo, in der es heisst: «Fahrradfahren ist noch etwas Galgenfrist, Fahrradfahren ist unheimlich notwendig.» So ist das!

Heisst nicht umsonst, wie er heisst: Dr. Love

Hier noch der Link zum Song:
www.youtube.com/watch?v=uak8TG6Z9-w

Ihre Fragen an: dr.v.love@velojournal.ch

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