Lieber Dr. V. Love
Wenn man an einem heissen Tag einen Pass hinauffährt, beispielsweise auf die Hourquette d’Ancizan in den Pyrenäen, so umschwirren einen die ganze Zeit Fliegen. Nun hat mich die Frage beschäftigt, ob es von unten bis oben immer dieselben Fliegen sind, oder ob sie einander ablösen, also quasi einen Stafettenlauf machen? Ich bin von Beruf Musiker und habe ein gut trainiertes Ohr, trotzdem konnte ich den Sound der einzelnen Fliegen nicht genau unterscheiden und bin zu keinem eindeutigen Schluss gekommen.
Zweite Frage: Was ist das Maximaltempo, bei welchem einen die Fliegen begleiten können? Bei der Abfahrt klatschen sie einem ja nur noch aufs Trikot oder ins Gesicht.
Ich bin sehr froh um Ihre Beantwortung dieser Fragen, damit ich mich bei meiner nächsten Velopassfahrt gedanklich mit anderen philosophischen und für die Menschheit relevanten Themen befassen kann. Können Sie mir noch sagen, was das für Themen sein könnten?
Simon Bischof
Lieber Herr Bischof
Ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen: Wenn Sie beim Passfahren permanent von Fliegen umschwirrt werden, hilft eventuell ein gutes Deo. Fliegen können Buttersäure riechen – ein Indiz für Fäulnis – und stehen darauf.
Spass beiseite, zurück zu Ihrer Frage: Gerade in der Pyrenäenregion gibt es eine Fliegenspezies (Musca stafettistica vitiosa), die sich buchstäblich einen Sport daraus macht, entlang der bekannten Passrouten die Gümmeler zu verfolgen. Die fittesten Exemplare schaffen die rund neun Kilometer bis zur Passhöhe der Hourquette d’Ancizan selbst, viele der Fliegen «übergeben» aber irgendwo in der Mitte der Strecke an dort wartende Kollegen. Halten Sie nächstes Mal Ihre Augen offen – summen tun Fliegen ja eh alle gleich. Die kleinen Staffelstäbe indes, die einige Exemplare zwischen ihrem hintersten Beinpaar einklemmen, die müssten Sie sehen können.
Zu Frage 2: Fliegen fliegen mit maximal
8 bis 10 km/h – als Tierfreund nehmen Sie es darum besser gemütlich bei den Abfahrten (die Zubehörindustrie verkauft Sticker mit dem Slogan «Ich bremse auch für Insekten», die Sie an der Rückenseite ihres Trikots anbringen können).
Zum Schluss wie gewünscht noch ein paar Themen fürs bizykläre Philosophieren: Warum quält sich ein Mensch mit Zweirad über ein Naturhindernis aus Stein? Hat er nichts Gescheiteres zu tun? Und wenn nein, warum nicht?
Regelmässige Tretfrequenz trotzdem nicht vergessen, gell!
Ihr Platon im Ohrensessel aka Dr. Love
Ihre Fragen an: dr.v.love@velojournal.ch







