Lieber Dr. V. Love
Ich habe die Velorennen an den Olympischen Spielen mitverfolgt. Da ich jeden Tag mit dem Velo zur Arbeit fahre, denke ich, dass ich fit genug wäre, die Schweiz an den nächsten Spielen zu vertreten. Können Sie mir ein paar Tipps geben, wie ich meine sportliche Leistung präsentieren und Aufmerksamkeit erlangen kann?
S. Dehrendinger, Willisau
Lieber Herr Dehrendinger
Bravo! Sie haben kapiert, worum es heute geht – um: Aufmerksamkeit. Es bieten sich mannigfaltige Optionen an:
1 | Halten Sie sich an unseren Goldjungen, halten Sie sich an Fabian Cancellara. Will heissen: Sie legen sich einen spektakulären Übernamen zu («Spartacus» ist leider besetzt, aber wie wärs mit «Ben Hur», «Swiss TGV» oder «Die wilde Sau aus Willisau»?!) und – wichtig! – twittern hochkadenzig in Kreativ-Englisch in der Weltgeschichte rum, etwa so: «What for good news i have got now. I will win the rider and be always in the mind from the world that turns. #iridegood #wadesofsteel» Der Rest kommt von selbst. Und: Erinnern Sie sich an Ihre Töfflibuben-Zeit, schleifen Sie ein Fenster in den Kolben des Sattelrohrmotörchens, und sorgen Sie für gute Isolation (wegen der Scheiss-Wärmekameras!).
2 | Anhand Ihres Briefs gehe ich davon aus, dass Ihr Selbstbewusstsein intakt ist. Medial immer gut kommt ein seriöses Image als treuherziger Familienvater, kombiniert mit gelegentlichen Aussetzern: Alkoholexzessen, Schlägereien bzw. Sexorgien mit Koks-Nutten o.ä. (verwackelte Smartphone-Filmchen für den Boulevard nicht vergessen!).
3 | Wenn Ihnen so was zu kalkuliert vorkommt, gibts, angelehnt an den Werdegang von kenianischen oder äthiopischen Leichtathletik-Laufwundern, eine simple Lösung: Suchen Sie sich eine neue Arbeitsstelle, sagen wir mal in: Fribourg. Fahren Sie weiterhin täglich mit dem Velo zur Arbeit. 112 km, 1000 hm hin und wieder zurück, da wachsen die Stahlwaden von selbst. Oder à la «Fäbu»: «Rom wasn’t build in one day, that’s the same for all person to having in mind regarding own goals and project.»
Sayonara, ich freue mich auf Tokio, Ihr Dr. Love
Ihre Fragen an: dr.v.love@velojournal.ch







