Lieber Dr. V. Love
Kürzlich stand ich vor der existenziellen Frage, ob ich mir einen Segway-Roller oder doch eines dieser lifestyligen Hoverboards anschaffen sollte. Letzteres hätte gut zu meinem Star-Wars-Kostüm gepasst. Nun lese ich aber, dass in den USA mehrere dieser elektrobetriebenen Rollbretter beim Aufladen explodierten. Soll ich mich also doch für einen Segway entscheiden – oder schliesslich und endlich zu meinem Schülervelo zurück?
Mit freundlichen Grüssen
K.K. aus Thal (SG)
Lieber Herr Stoll
So viele Fragen. Und hinter Ihren Fragen – mehr Fragen! Etwa: Wie alt sind Sie?
Für den Ritt auf dem Hoverboard ist ja eine gewisse Grundelastizität in Knochen und Gelenken praktisch, die es schon ab 16, 17 Jahren nicht mehr so ohne Weiteres gibt. Am Anfang haut es einen nämlich gern mal auf die Fresse, aber so richtig voll Kanne. Dass einem der Lithium-Ionen-Akku, der den Motor speist, bei einem Kurzschluss um die Ohren fliegen kann, ist immerhin ein möglicher Kollateralschaden, der mit dem Alter so direkt nichts zu tun hat. Tröstet allerdings nur mässig, oder?
Der prototypische Segway-Fahrer hinwiederum ist ja eher so der verhaltensoriginelle Frührentner mit zu viel Geld, der allen zeigen will, wie crazy und schräg er drauf ist – einer, der beim Rumgurken auf dem Stehroller ein «No Risk, No Fun»-Shirt trägt. Zumindest der zweite Teil des Slogans passt nicht schlecht zum Schicksal von Jimi Heselden: Der Segway-Inc.-Chef stürzte 2010 eine Klippe hinab, mit letalem Ausgang. Und wenn Sies nicht schon wissen, ahnen Sie spätestens jetzt, womit er unterwegs war ... Genau.
Mehr Fragen: Star-Wars-Kostüm?! Okay. Sind Sie eher der R2-D2-Typ? Sehen Sie sich als verwegenen Han Solo, als Kylo Ren? Rollen Sie als BB-8 durch den Alltag, oder erschrecken Sie die Kinder im Quartier mit Darth-Vader-Gekeuche?
Ich muss gestehen, ich werde nicht so richtig schlau aus Ihnen, Kevin K.
Aber eines klar ist: Die neuen Gadget-Fahrzeuge sind nichts für Sie (sie sind nichts für niemanden). Also. Holen Sie sich «Back to the Future» und «Star Wars» aus der Videothek, machen Sie sich einen schönen VHS-Abend mit ner Vivi Cola und ner Familienpackung Mars. Am Morgen danach holen Sie Ihr Kindervelo aus dem Keller und klemmen sich mit Wäscheklammern ne Jasskarte an die Vordergabel – Sie wissen schon: Brumm! Knatter! Dann cruisen Sie easy, akkulos und nur moderat albern durchs Quartier. So geht das.
May The Force Be With You!
Dr. Love
Ihre Fragen an: dr.v.love@velojournal.ch







