Lieber Dr. V. Love
Ich bin Linkshänderin und steige deshalb von der rechten Seite aufs Velo. Der Ständer ist aber auf der linken Seite. Das ist unpraktisch, gerade beim Abstellen. Gibt es fürs Velo – analog beispielsweise zu Musikinstrumenten – auch Ständer für Linkshänderinnen?
D. H. aus Z.
Liebe Frau Döllhauser
Sie liefern das Stichwort freundlicherweise gleich selbst: Musikinstrumente, genau! Halten wir uns dabei an die explosiven, die kreativen Erneuerer, bref: Halten wir uns an Jimi Hendrix. Schauen wir ihm etwas genauer auf die Finger, kommen wir unvermittelt einer Lösung Ihres Problems auf die Spur: Auch der Grögaz (grösste Gitarrist aller Zeiten) kannte die Tücken des Alltags bei Sinistralität – und Linkshänder-Gitarren waren in den Sixties nur schwer erhältlich. Cool Cat Jimi spielte deshalb normale, für Rechtshänder gedachte Fender-Stratocaster-Modelle, die er umdrehte und bei denen er die Saiten in umgekehrter Reihenfolge aufzog. Tonregler und Vibratohebel lagen deshalb auf der oberen Seite des Gitarrenkorpus. Unorthodox, aber hey: Es ging ums Spielen. Und das funktionierte dann doch auch so recht gut.
Was ich sagen will: Drehen Sie den Ständer doch einfach um 180 Grad, er ist dann auf der für sie richtigen Seite, lässt sich leicht bedienen und sich in Richtung Vorderrad aufklappen. Unorthodox, aber hey: Es geht ums Fahren (beziehungsweise Abstellen).
Falls Sie aber doch kein weiblicher Velo-Hendrix sein möchten oder eine solche Lösung etwas gar zwangsoriginell finden, mögen Sie sich an den Profis orientieren: Entfernen Sie den Ständer ganz und lehnen Sie ihr Rad in Zukunft lässig an Kandelabern und Hausmauern. Oder, vielleicht noch eleganter: Besorgen Sie sich eines der schönen gelben Velos, mit denen Schweizer Pöstler einst die Briefe austrugen – die haben einen grosszügig dimensionierten Doppelständer, der das ganze Hinterrad aufbockt und von Links- wie RechtshänderInnen gleich zu bedienen ist. Werden sie: Post-modern!
Ihr Dr. V. Love
Ihre Fragen an: dr.v.love@velojournal.ch
Dr. V. Love,
Velosoph
(dr.v.love@velojournal.ch)
VLove,
18.09.2015







