Lieber Dr. V. Love
Endlich Frühling, das Wetter stimmt: Schon herrscht auf Wald- und Spazierwegen wieder grosses Verkehrsaufkommen. Ich bin selbst sowohl mit dem Fahrrad als auch oft zu Pferd im Gelände unterwegs. Leider erlebe ich gerade mit Velofahrern gefährliche Situationen. Oft nahen Velofahrer von hinten mit hohem Tempo. Da wir – und auch die Pferde – sie nicht hören können, ist es für uns meist zu spät, um zu reagieren. Ein scharfes Abbremsen direkt hinter dem Pferd oder sogar ein Versuch, in hohem Tempo zwischen den Pferden durchzufahren, kann zu schweren Unfälle führen.
Ich bedaure die Wut, die uns Reitern in dieser Situation entgegenkommt. Es wäre schön, die Wege friedlich teilen zu können. Könnten Sie etwas Aufklärungsarbeit leisten?
L. N. aus K.
Liebe Frau Nientscher
Aufklärung ist natürlich gut. Vernunft. Argumente. Mit dem Ziel, den Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit zu führen. Pferde sind Fluchttiere, erschreckt man sie, neigen die Unpaarhufer zum Durchgehen. Mit den von Ihnen erwähnten potenziellen Folgen für ReiterIn, Pferd und Velofahrende, denen allenfalls jäh eine halbe Tonne Muskelfleisch entgegengaloppiert.
Vernunft? Argumente? Nun, schauen Sie sich um, liebe Frau L.N. Das Projekt der Aufklärung läuft seit 300 Jahren, aber hat es die Welt wirklich zu einem Ort des friedlichen, sicheren Miteinander gemacht? Eben. Versuchen wir deshalb, die Sache pragmatisch anzugehen: Ideal wäre doch eine Entflechtung der «Verkehrsrouten» – eigene Pferdewege in Analogie zu den Velowegen. Dumm nur, dass in einem kleinräumigen Land wie der Schweiz die Routen solcher Horsetrails aus Platzgründen eher schwierig festzulegen wären. Fürs Erste rate ich Ihnen deshalb Folgendes: Ziehen Sie einen weissen Pulli und weisse Hosen an, stopfen Sie beides grosszügig mit Kissen aus, basteln Sie sich eine Krone aus Goldpapier, nehmen Sie einen Besen zur Hand und eine Tabakpfeife in den Mund – danach: Reiten Sie aus! Jeder Velofahrer wird schon von Weitem auf Sie aufmerksam – und wenn er ans letzte Sechseläuten zurückdenkt, rollt er ganz brav und süüferli an Ihnen vorbei.
Ihr Dr. V. Love
Ihre Fragen an: dr.v.love@velojournal.ch
Dr. V. Love,
Velosoph
(dr.v.love@velojournal.ch)
VLove,
19.05.2015







