Einkaufen zwischen fahrenden Hochhäusern

Dr. V. Love weiss Rat in allen Lebenslagen.

Dr. V. Love, Velosoph (dr.v.love@velojournal.ch)
19.11.2014

Wie jeden Samstag ging ich kürzlich mit dem Velo im Quartier einkaufen. Beim Einspuren auf eine Hauptverkehrsachse wurde es plötzlich dunkel: Ich war links und rechts eingeklemmt von panzer­ähnlichen SUVs, die mir den Weg abschnitten und die Sicht nahmen. Solche Gefährte werden in Zürich immer häufiger, und ich frage mich, ob nach dem verdichteten Bauen mit Hochhäusern nun auch das «verdichtete Fahren» angesagt ist. Muss ich nun auch umstellen und zumindest eine schlagfeste Verschalung um mein Velo bauen?
Werner U. aus Z.

Sehr geehrter Herr Urinato
Dichtestress ist auch auf der Strasse ein ständiges Thema. Die Folgen der Zersiedelung, angetrieben durch den immer grösseren Platzbedarf der Wohnbevölkerung, spürt man auch auf den Strassen. Einst kompakte Fahrzeuge werden zu Einpersonenpanzern (nicht zu verwechseln mit Einfamilienhäusern). Diese ­Gentrifizierung verdrängt schwächere Verkehrsteilnehmer, die im wahrsten Sinne des Wortes aufgerieben werden.

Was tun? Viele Lösungsansätze sind schon gescheitert. Man könnte Quoten einführen, welche die jährliche Zuwanderung – man könnte auch sagen: den Import – von grossen Autos begrenzen. Aber wie soll man das durchsetzen, wenn die SVP-Wählerschaft, sonst eine grosse Stütze für solche Anliegen, derart autophil ist? Auch Quoten für Ausländer, die in der Schweiz Auto fahren dürfen, bringen wenig: Grosse Autos zu fahren, ist ein Menschenrecht für jeden Schweizer. Die Einführung einer Selbstbeschränkung würde deshalb gegen zwingendes Völkerrecht verstossen.

Damit Sie weniger an Dichtestress leiden und Ihr Gewissen trotzdem rein bleibt, schlage ich Ihnen vor, umzusatteln: Sie schicken Ihr Velo nach Afrika und reisen ihm hinterher – mit einigen Kondomen in der Tasche. Als Wanderprophet der Nachhaltigkeit auf den leeren Landstrassen des Schwarzen Kontinents predigen Sie in Zukunft den velophilen Lebensstil und helfen den Menschen bei der Familienplanung – ganz im Sinne von Ecopop.

Hochachtungsvoll
Ihr Dr. V. Love

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