Lieber Dr. V. Love
Ich wohne in einer wunderbaren kleinen Wohnung in der Zürcher Innenstadt, mit meiner Frau und unserem kleinen Sohn. Meine Frau liebt die Annehmlichkeiten der Stadt und die Nähe ihrer Freunde. Leider erleben wir aber gerade eine grössere Velostationierungs-Krise: Meine Frau hat drei Fahrräder, ich beschränke mich auf fünf, und mein Sohn ist bald alt genug, seine eigene Sammlung zu starten.
Bereits jetzt lagern wir zwei Velos draussen, und wir können es uns nicht leisten, in eine grössere Wohnung zu ziehen oder einen Lagerraum anderswo zu mieten. Wie überzeuge ich meine Frau, dass wir keine andere Wahl haben, als Zürich zu verlassen?
James W., Zürich
Sehr geehrter Herr Woodsie
Ihr Problem – die Verdrängung veloreicher Familien – ist bekannt. Gentrifizierung und steigende Preise führen dazu, dass sich der velophile Lebensstil kaum mehr finanzieren lässt. Nun gibt es jene, die sagen, ein Fahrrad pro Person genüge. Eine solche Ein-Velo-Politik könnte aber geradewegs zu chinesischen Verhältnissen führen. Gefragt sind radikal neue und pragmatische Ideen, um Familien wie Ihre in der Stadt zu halten. Mein Vorschlag für eine neue Politik heisst Velobesitzförderung statt Familienförderung.
Velos sind nämlich die besseren Kinder. Wir lieben sie auch, pflegen sie und fühlen uns dank ihnen jünger. Dabei sind sie gehorsamer, ruhiger und günstiger im Unterhalt. Die Förderung veloreicher Familien bietet auch enormes Sparpotenzial: Ein Velo kostet während seiner gesamten Lebensdauer etwa so viel wie ein Kind in einigen Monaten. Zudem brauchen veloreiche Familien bloss einen zusätzlichen Abstellraum.
Und überlegen Sie nur mal, was wir sparen könnten, wenn wir KiTas durch VeTas – Velotagesstätten – ersetzen. Die externe Betreuung von Velos könnte Ihr Platzproblem lösen und würde nicht einmal das traditionelle Familienmodell bedrohen.
Ihr Dr. V. Love







