Lieber Dr. V. Love
Meine Frau und ich sind beide im AHV-Alter und wohnen an einem «Hoger». Meine Frau hat weder Auto noch Führerausweis. Alle ihre Besorgungen machte sie bisher zu Fuss, per Velo oder mit dem öV. Nun hat sie sich kürzlich ein E-Bike angeschafft, was in unserem Bekanntenkreis zu Anfeindungen führt. Muss sie künftig bei ihren Ausfahrten einen Schleier tragen, damit sie von grünen Velofundis nicht angemacht wird? Und wie gehe ich mit dieser unangenehmen Situation um?
Robert J., Heitersberg
Lieber Herr Jekami
Ihre Frau trifft die durchaus vernünftige Entscheidung, im Pensionsalter nicht mehr mit dem Fahrrad den Hügel hochzukraxeln. Und schon wollen Sie als ihr Mann sie unter einen Schleier stecken! Nicht gerade charmant. Aber vielleicht haben Sie ja recht: Frau fühlt sich freier unterm Schleier. Solche Meinungen gibt es durchaus in der Welt. Wenn Sie das allerdings so sehen, müssen Sie es auch konsequent durchziehen.
Die Erfahrung in einigen Ländern zeigt, dass ein Verschleierungszwang vernünftigerweise mit anderen Massnahmen wie einem strikten Fahrverbot für Frauen einhergeht. So schützt man sie nicht nur vor unfreundlichen Blicken der Öko- oder anderer Fundis, sondern auch vor dem gesamten Verkehrsstress. Das nennt sich dann «die Freiheit, auch mal nichts tun zu dürfen».
Für Sie, Herr Jekami, bedeutet das aber auch eine zusätzliche Verpflichtung. Sie müssen Ihre Frau nämlich in Zukunft herumchauffieren. Gut, dass Sie pensioniert sind und Zeit haben. Und bestimmt freuen Sie sich darauf, nach einem anstrengenden Arbeitsleben endlich mehr Zeit miteinander verbringen zu dürfen. Weshalb also tauschen Sie das E-Bike nicht gegen ein Lastenvelo ein, auf dem Sie strampeln, während Ihre Frau entspannt in der Sänfte sitzt? Zum Treffen mit Freundinnen, zum Supermarkt, ins Kino oder an die Volksuni – stets bringt Chauffeur Jekami seine Frau hin und wartet draussen – bei Sonne, Regen oder Schnee.
Hochachtungsvoll, Ihr Dr. V. Love







