Dr. V. Love

Haben Polizisten Ahnung von Velos? Dr. V. Love kennt die Antwort.

Dr. V. Love, Velosoph (dr.v.love@velojournal.ch)
VLove, 24.03.2010

Kürzlich bin ich in eine Polizeikontrolle geraten. Der Polizist sah mein neues, voll ausgerüstetes Velo genau an und sagte dann: «Ihr Velo hat keine vorschriftsgemässen Rückstrahler – das kostet sie 40 Franken.» Als ich ihn darauf hinwies, dass die Rückstrahler bei neuen Velos in Vorder- und Rücklicht integriert sind, war ihm das total peinlich, und er liess mich gehen.

Frage: Wie viel Ahnung haben PolizistInnen überhaupt von Velos?

E.B. aus Z.

Liebe Frau Brüggemann

Wie Ihre Erfahrung zeigt: relativ wenig. Erstaunen kann uns dies nicht, sitzt doch die Mehrheit der Polizisten den ganzen Tag im Auto und verspeist Schoggigipfeli. Das Velo erscheint aus dieser Perspektive als anarchistisches Verkehrsärgernis. Wie schön drum für die Hüter des Gesetzes, wenn ein Fall mal klar ist, wie beim fehlenden Rückstrahler. Dann kann die Polizei das tun, was sie am zweitbes­ten kann: Bussen verteilen. Doch die Welt ist nicht mehr so, wie sie mal war. Vorschriften ändern sich ständig, und das vermeindlich sichere Rechtsempfinden des Ordnungshüters («der Rückstrahler gehört hinten ans Velo wie das Fudi in die Unterhose») gilt eben nicht mehr. Chaos herrscht. Waren es früher die Achtundsechziger, sind es jetzt neue Rückstrahler-Vorschriften. «Da muss doch etwas unternommen werden», sagte sich die Polizei.

Und die Stadtpolizei Zürich unternahm auch wirklich etwas und lancierte die Aktion «Respekt». Nun klatschen nicht mehr Jugendliche ihre Opfer an die Wand, sondern die Polizei aufmüpfige Radfahrende, wie man kürzlich in den Medien in einem Augenzeugenbericht lesen konnte. Härter anpacken liessen sich zweifellos auch Leute wie Sie, die sich anmassen, die Rückstrahler-Vorschriften besser zu kennen als die Hüter der Gesetze. Dann könnte die Polizei das tun, was sie am drittbesten kann: überwältigen und verhaften.

Unglücklicherweise haben heute praktisch alle Passantinnen und Passanten eine Handykamera. Die Folge: Bei jedem gröberem Eingriff im Sinne der Aktion «Respekt» geht in den Medien das Geschrei über «Verhältnismässigkeit» und «Polizeigewalt» los. Eigentlich gibt es deshalb nur eine einzige Lösung: Vorschriften für Velos gehören ganz abgeschafft. Dann hätte die Polizei wieder mehr Zeit für das, was sie, wie schon erwähnt, am liebsten macht: Pause und Schoggigipfeli futtern.

Ergebenst, Ihr Dr. V. Love

Ihre Fragen an: dr.v.love@velojournal.ch

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