Nachdem die ganze Welt Zeuge von Lance Armstrongs «Geständnis» geworden ist, stellt sich die Frage, was von der grossen Show übrig bleibt. Er hat ja nur zugegeben, was man schon wusste, und kaum Neues erzählt. Kommt er damit durch? Oder wird da jetzt munter weitergewurstelt, und verliert der Radsport auch den letzten Rest an Ehre?
Hubert K., Menzikon
Sehr geehrter Herr Kensington
Sie stellen die Frage falsch: Wer die Ehre des Radsports retten wollte, hätte diese Doping-Details gar nie zum Teil einer öffentlichen Schlammschlacht machen sollen, sondern besser den Mund gehalten. Dann müssten wir uns jetzt nicht mit dieser peinlichen Affäre herumschlagen. Statt Velohelden zu begraben, könnten alle ruhig ihren Geschäften nachgehen, wie in den guten alten Zeiten.
Nörglerinnen und Spielverderber wollen jetzt aber Fragen stellen über Verantwortung und fordern einen Sport ohne Doping. Doch was bringt das? Nur eines: Fahrer und Fernsehzuschauerinnen, die mehr leiden müssen, weil die Tour-de-France-Etappen so endlos lang werden, dass einem beim Zuschauen das Gesicht einschläft. Doping hingegen garantiert sensationelle Duelle und übermenschliche Leistungen am Berg. Doping muss also bleiben, gerade auch mit Blick auf die Zukunft: 2016 findet die Radsport-WM im heissen Katar statt. Da wollen wir doch, dass die Fahrer dort zügig durch die Hitze kommen.
Um die Diskussion schnell zu beenden, gibt es nur eine Lösung: Dottore Ferrari wird Chefkontrolleur der Dopingbehörden und Armstrong übernimmt das Präsidium des Internationalen Radsport-Verbandes UCI. Damit ist auch den Nörglern gedient: Armstrong bleibt lebenslang gesperrt und seinen Fans trotzdem erhalten – er muss nicht einmal Triathlet werden. Die korrupten Funktionäre, welche die unsauberen Machenschaften im Radsport jahrelang deckten, werden ausgewechselt. Anstelle der inkompetenten Waschlappen bringen die beiden Profis Armstrong und Ferrari eine Blutauffrischung (ganz ohne EPO) in den muffigen Bürokratenladen. Und sie sorgen dafür, dass Querulanten in Zukunft den Mund halten – ihre Eignung für den Job haben sie in den vergangenen Jahren zur Genüge unter Beweis gestellt.
Hochachtungsvoll Ihr Dr.V. Love







