Wo bleiben die Veloguggen?

Dr. V. Love weiss Rat in allen Lebenslagen - auch während der Fasnacht.

Dr. V. Love, Velosoph (dr.v.love@velojournal.ch)
VLove, 29.01.2014

Bald ist Fasnachtszeit, und als passionierter Velofahrer und Fasnächtler fehlt mir dann mein Gefährt. In unserem Ve­rein hab ich schon mehrmals Vorstösse gemacht, um unsere Gugge auf eines dieser Mehrpersonen-Vehikel zu bringen. Das wäre praktisch, ersparte uns viel Kraft und würde für Aufsehen sorgen. Keine Chance: «Passt nicht durch Beizentüren, wie sollen wir das abschliessen» etc. erschallt die Ablehnung im Chor. Wenn nicht hier in der Ostschweiz, gibt es dann wenigstens in der Velostadt Basel Hoffnung?
I. S., Gunzenschwil
 
Lieber Herr Schädler
Fasnacht und Velo – keine einfache Kombine. Mit dem Velo rhythmisch und richtig langsam in Reih und Glied mitzuradelieren, erfordert ein Koordinationsvermögen und eine Disziplin, über die Velofahrende nach der Abschaffung der Fahrrad­truppe im Militär kaum mehr verfügen. Doch auch stehende Velos sind nicht erwünscht: Die Basler Polizei schleppt entlang der Fasnachtsumzugs-Route parkierte Zweiräder ab – ohne Rücksicht auf Verluste, Schlösser oder offizielle Veloparkplätze.

Das Velo hat während der Fasnachtszeit wenig zu melden – und angesichts des Basler Traditions­bewusstseins wird das wohl auch so bleiben. Deshalb muss man die Frage anders stellen: Wie kann die Fasnacht die Velokultur verändern und verbessern? Sie tut dies bereits: Critical Mass und Gentlemen’s Run sind nichts anderes als ein improvisierter Karneval, währenddessen die Velofahrenden den Alltag vorübergehend verlassen und in eine Parallelwelt eintauchen.

Wir brauchen aber auch Ideen für den Alltag. Könnte etwa eine «Clique Velo» mehr Einfluss als eine IG oder Pro Velo entfalten? Oder würden auf Autos geworfene «Räppli» und an Raser verteilte «Dääfeli» die Verkehrsatmosphäre verbessern? Wer weiss? Eines ist klar: Velofahrende mit «Larven», Basler Fasnachtsmasken, vor ihren Gesichtern würden jeden rücksichtslosen Autofahrer und velofeindlichen Politiker das Fürchten lehren. Garantiert nicht nur an den drei schönsten, sondern an allen 365 Tagen des Jahres.

Ergebenst, Ihr Dr. V. Love
 

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