Die Zentralschweiz auf dem Velo

Im Kanton Zug sind nicht nur internationale Grosskonzerne aktiv, sondern es wird auch Fahrradförderung betrieben. Pro Velo Zug vertritt die Interessen der Radfahrerinnen und Radfahrer gegenüber den Behörden.

Fabian Baumann, Redaktor (fabian.baumann@velojournal.ch)
Szene, 14.09.2011

Das Fahrradweg-Netz im Kanton Zug ist gut ausgebaut und erschlossen. Da sind sich die Präsidentin und ihr Vizepräsident von Pro Velo Zug einig. Der Kanton ist kleinräumig und biete mit seiner Topografie allen Radfahrenden – vom Mountainbiker über Familien mit Kindern bis zum «Gümmeler» – gute Strecken. Schwieriger werde es in der Stadt, wo gemäss Vizepräsident Urs Ehrensperger teilweise der Platz für Radwege fehlt. «Es gibt aber auch hier gute Velowege, leider sind sie an einigen Kreuzungen nicht durchgängig», ergänzt die Präsidentin Astrid Estermann.

Eigenheit

Wer von den Wohnquartieren am Hang Richtung See fährt, muss eine doppelspurige Hauptstrasse überqueren, vor der der Radweg endet. «Die Strasse schneidet ihn einfach ab», so Estermann. Ungeübte oder ängstlichere Velofahrerinnen und -fahrer können die andere Seite, das Seeufer, nur über den Fussgängerstreifen erreichen. Pro Velo hat schon einige Male bei der Stadt interveniert, ist bis anhin aber auf taube Ohren gestossen. Doch nicht immer ist die Zusammenarbeit mit den Behörden harzig. Das «Velophon», eine Art Kummerbox, wird von Stadt und Kanton stark beachtet. Velofahrende deponieren hier ihre Wünsche und Anregungen und melden Hindernisse, wie zum Beispiel Schlaglöcher.

Das «Velophon» wurde zwar nicht in Zug erfunden – die Stadt Zürich kennt es schon lange –, aber in der Innerschweiz funktioniert das System besonders gut. «Kleinere Anliegen werden innerhalb von Tagen behoben», freut sich Urs Ehrensperger. Allerdings werde diese «Klagemauer» in letzter Zeit weniger genutzt. Momentan ist die Internetseite wegen Spam-Attacken sogar ausser Betrieb, doch Radfahrende können ihre Anliegen mittels Kontaktformular einbringen.

Hoffnung auf Velostation

Auch wenn es im Kleinen gut funktioniere, das Beheben grösserer Knackpunkte sei oft langwierig. «Ein zwei Jahre dauerndes Provisorium muss von uns Velofahrenden toleriert werden, Autofahrenden würde man das nicht zumuten», gibt sich Estermann überzeugt. Die Zuger Veloförderer pflegen aber einen ständigen Kontakt zu Stadt und Kanton. Jährlich findet eine Sitzung mit den Behörden statt. Dabei erweist sich die Kleinräumigkeit des Kantons als Vorteil. «Man kennt und begegnet sich auch mal in der Stadt», sagt Urs Ehrensperger. Das erleichtere den Austausch.

In der Vergangenheit musste Pro Velo Zug auch schon Rückschläge hinnehmen. Der Vorstoss für eine Velostation in der Nähe des Bahnhofs ist im Gemeinderat kläglich gescheitert. Obwohl die Stadt den Vorschlag befürwortete, kippte die Stimmung im Rat, und das Projekt verschwand in der Schublade. Inzwischen besteht wieder Grund zur Hoffnung: Die Stadt unternimmt einen neuen Anlauf und plant eine Station auf einem eigenen Grundstück in Bahnhofsnähe.

Da sich dort bereits heute ein Fahrradunterstand befindet, sollten dem Projekt keine Steine im Weg liegen. Die Abstellplätze würden ausgebaut, das Geld dafür stammt aus dem Fahrradinfrastruktur-Fonds der Stadt. Urs Ehrensperger ist zuversichtlich, dass die Velostation bereits 2012 Realität wird.

Diesen Herbst testen die Zuger eine neu kreierte Idee. Am 24. September führen sie eine Velolichtreparatur-Aktion durch. Also dann, wenn die Nächte wieder länger werden. Pro Velo Zug hofft auf regen Zulauf. Dafür sollen kurze Werbeeinblendungen in den Kinos sorgen – auch dies ein Novum.

Weitere Infos unter: www.provelozug.ch

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