Die Winter-Wahl ohne Qual

Das Wintertraining muss nicht immer auf der stationären Rolle stattfinden. Eine ideale Alternative bietet die Rennbahn in Grenchen.

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Martin Born
02.02.2015

Im Winter haben wir die Wahl. Wir gewähren uns eine Ruhepause und fressen uns fünf Kilos Reserve an. Oder wir fliegen nach Australien und fluchen über die unerträgliche Hitze. Wenn wir mutig sind, ziehen wir uns warm an, steigen aufs Bike, bekommen nach einer Stunde kalte Füsse und schlucken Dreck, mit dem wir gleichzeitig auch das Bike imprägnieren. Wenn wir nicht unbedingt so aussehen wollen, wie einst der weltmeis­terliche «Schlammbock» Albert Zweifel nach einem der vielen Querrennen im Zürcher Oberland, installieren wir den Stubenbock, schwitzen eine halbe oder gar eine ganze Stunde vor dem Fernseher und staunen, wie lange eine Minute sein kann. Und wer unbedingt will und so etwas braucht, kann sich beim Spinning zu Höchstleistungen peitschen lassen.
Seit anderthalb Jahren gibt es eine Alternative, die im Winter die Wahl nicht mehr zur Qual macht. In Grenchen steht eine Halle mit einer Rennbahn aus sibirischer Fichte. Im nächsten Herbst wird dort die Europameisterschaft ausgetragen, doch das braucht uns nicht zu kümmern. Wichtig ist, dass sie auch uns, den Hobbyfahrerinnen und -fahrern, offensteht. Zu fixen Zeiten am Mittag und am Abend. Wer kurven will, besucht einen Bahnkurs und lässt sich in die Geheimnisse der bis zu 47 Grad steilen Kurven, der fehlenden Bremsen und des Starrlaufs einführen. Er lernt die elementaren Regeln. «Disziplin mues scho sii», würde Fredy Lienhard sagen, weil überall Gefahr droht, wenn bis zu 70 Fahrer in drei oder mehr unterschiedlich schnellen «Fäden» ihre Runden drehen. Ein kleiner Schwenker, der verpasste Blick zurück, der Versuch, mit dem Treten aufzuhören: Das Gleiten ohne Räder auf dem Holz verursacht Verbrennungen.
Doch abgesehen davon: Bahnfahren ist geil. Bahnfahren berauscht. Das Tempo ist so hoch, wie man sich das auf der Strasse im Wind nicht vorstellen kann, und irgendeinmal kommt der Moment, in dem du das Gefühl hast, dass die Pedale deine Beine bewegen und nicht umgekehrt. Bei 100 Pedalumdrehungen pro Minute droht der Flow. 

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