Die Schnellsten mit den kleinsten Rädern

Faltvelos sind im Schweizer Strassenbild selten anzutreffen. Und mit einer sportlichen Fahrweise werden sie schon gar nicht in Verbindung gebracht. Das ist ein Irrtum, wie sich bei den Falt­velomeisterschaften in Biel gezeigt hat.

Fabian Baumann, Redaktor (fabian.baumann@velojournal.ch)
Sport, 17.07.2013

Von der Tatsache, dass Anfang Juni in Biel ein Velorennen der besonderen Art stattfand, war bei der Ankunft am Bahnhof wenig zu spüren. In der Altstadt präsentierte sich jedoch ein anderes Bild. Dort, wo sonst flaniert, Kaffee getrunken und eingekauft wird, lieferten sich Männer und Frauen ein Rennen auf den Spezialmodellen.

Das weltweit erste Falt­radrennen, die «Brompton World Championship», fand 2006 in Barcelona statt. Die Idee dazu hatte der spanische Importeur der Kultvelos. Seit fünf Jahren werden die Rennen im englischen Oxfordshire ausgetragen. Sie sind Teil des «Orbital Cycling Festival», das jeweils mehr als tausend Brompton-LiebhaberInnen und Faltvelo-Fans aus aller Welt anzieht.

In Biel ging es etwas bescheidener zu und her. Siebzig Frauen und Männer waren in die Stadt gekommen, um an der ersten «Swiss Folding Bike Challenge» teilzunehmen. Gestartet wurde in zwei Kategorien: Zum offenen Rennen waren Faltvelos aller Arten und Marken zu­gelassen. Neben «Klassikern» des englischen Herstellers Brompton oder Velos von Riese und Müller waren auch exotischere Modelle – auch Mountainbikes – zu sehen. Zum Hauptrennen, der Brompton Schweizermeisterschaft, waren aus­­schliesslich Modelle dieser englischen Marke zugelassen. Während das Teilnehmerfeld auch im offenen Rennen Wert auf «elegante» Business-Kleidung legte, herrschte an der Brompton-Meisterschaft ein strikter Dresscode: Anzug und Krawatte, wobei kurze Hosen als sportliches Zugeständnis erlaubt waren.

Bevor es losging, mussten alle Velos gefaltet vor der Startlinie aufgereiht werden. Auf Kommando rannten die Teilnehmenden im Massenstart zu ihren Gefährten. Wer beim Entfalten wenig Geschick zeigte, verlor bereits wertvolle Sekunden und geriet schon am Start in Rückstand. Danach galt es, auf einem Parcours 15 Runden und insgesamt knapp zehn Kilometer durch die Gassen der Bieler Altstadt zu bewältigen. Enge Kurven, Pflastersteine sowie Anstiege machten den Kurs abwechslungsreich und anspruchsvoll zugleich. Von der Unter- zur Obergasse mussten die Velos gar über Stufen getragen werden.

Organisatoren ziehen positive Bilanz

Am Ende der Brompton-Meisterschaft entschied der Berner Michel Tobler das Rennen mit einer Zeit von 25 Minuten für sich. Für die Altstadt als Austragungsort fand er nur lobende Worte: «Die Kulisse ist super. Es war eine richtige Rennatmosphäre», sagte er im Ziel. Zuvor habe das Rennen zweimal auf dem Flugplatz von Interlaken stattgefunden. Hier in Biel habe es aber mehr Zuschauer. «In Interlaken waren höchstens Familienangehörige von Rennteilnehmerinnen oder -teilnehmern am Streckenrand.» Wenn es die Zeit zulasse, werde er als schnellster Schweizer Ende Juli zu den Brompton-Weltmeisterschaften nach England reisen. Den Flug hat Michel Tob­ler als Preis in Biel breits gewonnen.

Simon Schürch, Mitorganisator der Meis­terschaft, zeigt sich gegenüber velojournal mit dem Anlass zufrieden. «Siebzig Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind für die erste Austragung ein gutes Ergebnis.» Es wäre aber auch Platz für hundert Teilnehmer pro Rennen gewesen. Auch etwas mehr Zuschauer hätte er gerne begrüsst. Umso mehr, als einige Restaurants extra für die Veranstaltung geöffnet hatten. Im nächsten Jahr möchten die Veranstalter die «Swiss Folding Bike Challenge» wiederholen. Dann wolle man versuchen, den Anlass noch stärker als Faltvelo-Festival zu etablieren. Das Interesse der Fahrradbranche scheint vorhanden zu sein. So haben dieses Jahr bereits mehrere namhafte Hersteller ihre Modelle in der Bieler Altstadt präsentiert.
 

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