Die radelnden Köche

Mit dem Herbst kommt die Suppenzeit. Oskar Henkel und Dario Gedda versorgen Zürich und Bern mit Black Mama, Buddha’s Lächeln, Kokos Kerala und vielen weiteren Eigenkreationen. In Bioqualität und mit dem Velo geliefert. Aber das ist eigentlich erst der Anfang.

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Esther Banz
Kultur, 21.11.2013

Ein goldener Herbsttag, auch an der Zürcher Langstrasse. Draussen an einem Bistrotisch des Cafés Casablanca genehmigen sich Oskar Henkel und Dario Gedda eine kurze Pause mit selbstgedrehten Zigaretten. Autos und Lastwagen erschweren das Plaudern, es ist laut. Wir wechseln nach drinnen. Hier ist das Hauptquartier von Suppen und Pedale, mit Büro (im Keller) und Küche – jene des Casablanca, welche die beiden Jung­unternehmer nachmittags zur Herstellung ihrer vegetarischen oder veganen Biosuppen benutzen dürfen. Ein grosser Topf steht auf dem Herd, aber «der ist noch nichts», sagt Dario und zeigt auf ein noch viel grösseres, freistehendes Ding, das ein bisschen an einen Tumbler erinnert: «Das ist der grosse Topf.»

Selbst ist die Presse

150 Liter Suppe produzieren die beiden am Tag, zusammen mit Alex, dem einzigen Angestellten – er ist es auch, der die meisten Lieferungen macht. Und somit am häufigsten in die Pedale tritt. Denn das ist das Konzept von Suppen und Pedale: Die Bioläden, Bars und Cafés werden mit Lastenvelos beliefert. Vier unterschiedlich beladbare Transporter haben Suppen und Pedale schon, sie stehen im Innenhof zwischen Autos und Lieferwagen.

«Angefangen haben wir mit dem Yak-Anhänger», erzählt der 35-jährige Oskar Henkel, der ursprünglich aus Österreich stammt. Vor vier Jahren war das, «15 Liter täglich haben wir damals produziert», sagt Dario Gedda, 38 und Vater von zwei Kindern. Inzwischen hat sich die Menge verzehnfacht, und es sind auch etliche neue Suppen hinzugekommen – Eigenkreationen und verfeinerte Rezepturen von Freunden. Damals, als sie angefangen hätten, sei die Suppennische in Zürich noch leer gewesen. Jetzt gebe es mehrere Nachahmer: «Aber die Lieferung mit dem Velo – das hat uns noch keiner nachgemacht.»

«Angefangen haben wir mit dem Yak-Anhänger.»

Oskar Henkel

Von Oktober bis April läuft das Geschäft. In der warmen Saison haben sie es auch schon mit kalten Suppen versucht, aber das habe sich nicht gerechnet. Wer jetzt denkt, die beiden Unternehmer, die sich im Kollektiv des Café Zähringer in Zürich kennengelernt haben, würden im Sommer faulenzen, irrt. Beide sind seit diesem Jahr daran, sich je ein weiteres Standbein aufzubauen: Oskar Henkel mit dem «Rad-Saft», den er an seinem Wohnort Freienstein herstellt, ein Rhabarber-Apfelsaft ohne Konservierungsstoffe.

Rad-Saft deshalb, weil er ihn pedalend presst. Das geht so: «Ich habe eine kleine Hydropresse auf Pneumatik umgebaut. Wenn ich 10 Minuten pedale, gewinne ich 60 Liter Rhabarbersaft.» Nächstes Jahr will er an weiteren Kreationen rumtüfteln, in der Schweiz gebe es nämlich ein Manko an frischen Säften aus hiesigen Früchten. Der Rhabarber-Apfelsaft, den er mittels Trauben und Cassis süsst, ist schon mal sehr vielversprechend.

«Klar wünsche ich mir noch mehr Velowege. Vor allem aber möchte ich die Lastwagen aus der Stadt verbannt sehen.»

Dario Gedda

Lastenvelos und Lastwagen

Auch Dario Gedda hat noch längst nicht alle Ideen verwirklicht. Die nächste grosse, an der er aktuell dran ist, ist ein neuer Typ Lastenvelo: «Ich will ein Las­tenvelo bauen, das eine Familie und Kuriere vielseitig nutzen können.» Dafür hat er sich mit dem Rahmenbauer Wim Kolb aus Zürich zusammengeschlossen. Das kam so: «Ich suchte in der ganzen Schweiz und in Deutschland, und schliesslich fand ich ihn 500 Meter von hier entfernt.»

Nein, er habe keine Angst, dass ihm jemand die Idee klaue, er sei eh bestimmt nicht der Einzige, der sie gehabt habe, «wir müssen jetzt einfach schnell genug vorankommen, um die Ersten zu sein». Das Velofahren habe er übrigens in Zürich entdeckt, sagt der Turiner, den die Liebe hierher verschlagen hat: «Klar wünsche ich mir noch mehr Velowege. Vor allem aber möchte ich die Lastwagen aus der Stadt verbannt sehen.» Da schildert er bereits eine weitere Vision: «An den Stadträndern werden die LKWs geleert, ihre Ware auf Transportvelos umgeladen.» Zuerst ist jetzt aber Suppenzeit.

 

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