Der Schnee ist geschmolzen, von der Fasnacht sind noch «Räppli» auf dem Boden liegen geblieben. Statt Cliquen ziehen wieder Velos ihre Runden durch die Stadt im Dreiländereck. Und wie die Fasnacht hat auch die Veloförderung in Basel Tradition. Bereits 1944 entschied der Regierungsrat, dass bei sämtlichen Strassenneubauten Radstreifen markiert werden müssen. Auch Pro Velo beider Basel ist eine Institution am Rhein: 35 Jahre alt wird die Velolobby dieses Jahr.
Begehrte Abstellplätze
Ohne Pro Velo wäre Basel wohl nicht zur Velostadt geworden. Die Routendichte ist hoch, der Anteil des Veloverkehrs für schweizerische Verhältnisse schwindelerregend: Er beträgt 21 Prozent. Besuchern fällt die Velofreundlichkeit schon am Bahnhof auf. Seit 2003 gibt es dort eine Velo-Tiefgarage mit 1300 Plätzen. Kathrin Schweizer, Geschäftsführerin von Pro Velo beider Basel, hält das Parking, das der Regionalverband mitgestaltete, für die wichtigste Errungenschaft des letzten Jahrzehnts. Sie erinnert sich, dass früher rund um den Bahnhof das übliche Chaos herrschte, pro parkiertes Velo gab es weniger als 35 Zentimeter Platz. Im Gegensatz zu Zürich ist die Velostation hier voll ausgelastet, auf der Warteliste für einen bezahlten Abstellplatz stehen 200 Namen. Ganz freiwillig ist die Begeisterung allerdings nicht, wie Kathrin Schweizer einräumt: «Die Polizei räumt oberirdisch parkierte Velos konsequent weg. Immer wieder beklagen sich Leute über den ‹Veloklau durch die Polizei›.»
Doch sonst zeigt sich die Verwaltung des Stadtkantons überaus aufgeschlossen. 2006 schlug der Regierungsrat vor, bis 2013 acht Millionen Franken für die Veloförderung auszugeben. Dem Grossen Rat war dies zu langsam. Er verkürzte die Umsetzungszeit auf fünf Jahre. Da im Bau- und Verkehrsdepartement die personellen Ressourcen für dieses Tempo nicht ausreichen, wurde eine neue Projektleitungsstelle Fuss- und Veloverkehr geschaffen, die mit Kathrin Schweizer besetzt wird. Die Anwerbung der Pro-Velo-Geschäftsführerin soll ein klares Zeichen setzen.
Von städtischen Zuständen können Velofahrende in Baselland nur träumen. Statt links-grüner bestimmt hier bürgerliche Politik die Geschicke des eher ländlichen und autofreundlichen Kantons. Baselland ist auch kein ungefährliches Pflaster: Im letzten Jahr starben hier drei Velofahrer. Geld zur Verbesserung der Situation gäbe es: 35 Millionen Franken stehen für die Veloförderung bis 2020 bereit. Wie Erika Bachmann, Leiterin der Pro-Velo-Gruppe in Liestal, erklärt, wird dieses Geld jedoch nicht ausgegeben: Verbesserungen für den Veloverkehr werden oft am Ende aus Infrastrukturprojekten gestrichen, da diese das Budget bereits überschritten haben und die Regierung sparen möchte.
1800 Schwachstellen
An Problembewusstsein fehlt es indes nicht: Die Regierung evaluierte im vergangenen Jahr das kantonale Veloroutennetz und fand 1800 Schwachstellen. Seither ist aber kaum mehr etwas passiert, obwohl es in Baselland einen Verantwortlichen für die Velorouten gibt. «Dieser hat jedoch zu wenig echte Kompetenzen», findet Erika Bachmann. Immerhin sind punktuell Fortschritte zu verzeichnen: Am 1. März wurde in Liestal eine neue Velostation am Bahnhof eröffnet, und im Rahmen des Bahnhofumbaus soll eine Velobrücke über die Geleise entstehen.
Während sich die Situation des Velos in den beiden Basel fast diametral entgegengesetzt präsentiert, machen die verschiedenen Kulturen innerhalb von Pro Velo beider Basel keine Probleme. Die kantonsübergreifende Identität wird auch durch gemeinsame Projekte gefestigt. Pünktlich zum Jubiläum erscheint der Veloland-Führer Basel. Mit diesem Projekt kann der Regionalverband noch stärker jene seiner rund 6000 Mitglieder ansprechen, die sich für Sport und Freizeitvelofahren interessieren. Viele Freiwillige haben die Routen getestet, und die Schwesterorganisation IG Velo Lörrach half bei der Projektierung jener Routen, die durch Deutschland führen. Einzig auf französischer Seite fand sich kein lokaler Partner.







