Kaleo La Belle kam in Maui, Hawaii, zur Welt. Vater und Mutter waren bereits zu einer Zeit Hippies, als es diesen Begriff noch gar nicht gab. Der Vater, Gordon La Belle, ist ein Aussteiger, der sich Cloud Rock nennt. Die Mutter, Marjie Joy, kann Cloud Rocks Lifestyle mit Drogen und freier Liebe nicht länger tolerieren. Sie verlässt mit dem dreijährigen Sohn Kaleo ihren Mann und zieht nach Detroit.
Im Film erklärt sie, warum sie sich nie für ein Zusammentreffen von Vater und Sohn einsetzte: «Ich vertraute nie darauf, dass Cloud Rock dich nicht mit Drogen in Kontakt bringen würde. Ich wusste, er würde. Und das war das Hauptargument für mich, den Kontakt zu Cloud nicht aufrechtzuerhalten. Ich hatte das Gefühl, du seiest sicherer, wenn du nicht in jungen Jahren mit Drogen in Kontakt kommen würdest. Ich hatte ein echtes Problem damit, und jede gute Mutter hätte das.»Cloud Rock zieht nach der Trennung ebenfalls weg von Hawaii. In Portland frönt er seinen beiden Passionen Drogen und Rennradfahren.
Authentizität an erster Stelle
Dreissig Jahre später fordert Kaleo La Belle seinen Vater zu einer Fahrradtour durch den Nordwesten der USA heraus. Die Tour führt sie zum Spirit Lake am Fusse des Vulkans Mount St. Helens. Kaleo La Belle traf seinen Vater vor dieser Radtour, die nun als Filmdokument im Kino zu sehen ist, gerade zwei Mal. Einmal als Sechsjähriger und ein weiteres Mal mit siebzehn Jahren.
Für Kaleo La Belle stand bei der Vorbereitung zu diesem Film die Authentizität an erster Stelle. «Sie führte zu einem persönlichen und subjektiven Stil. Ich beschloss, den Film hauptsächlich selber zu drehen, um meinem Vater so nahe wie möglich zu kommen. Wenn er mich ansieht, schaut er auch die Zuschauer an. Ich wollte die Zuschauer in die Intimität unseres Austausches einbeziehen.» Er wollte allerdings das Publikum auch nicht einer Therapie aussetzen und sein eigenes Privatleben aufrollen. Und der Protagonist sollte auch nicht instrumentalisiert werden.
Dass aus dieser Vater-Sohn-Begegnung kein lautstarker Streit entsteht, ist La Belles Professionalität als Dokumentarfilmer zu verdanken. Cloud Rock war seinerseits einfach zu high, um sich besonders aufregen zu können. Dennoch lassen das immerzu lächelnde Gesicht des Vaters und seine Aussagen die Zuschauer nicht kalt. Vor allem bei Aussagen wie: «Kinder suchen sich ihre Eltern selber aus – das ist Karma», wie der Vater einmal unbekümmert sagt.
Filmmusik-Könner am Werk
Besondere Töne bietet die Filmmusik in «Beyond This Place». La Belle und der Musiker Sufjan Stevens sind seit der Mittelschule Freunde, und Stevens ist in der Musik- und Filmbranche kein Unbekannter. Zurzeit sogar einer der angesagtesten Singer/Songwriter. So vertonte er etwa den Kultfilm «Little Miss Sunshine» oder die TV-Serien «Weeds» und «Nip/Tuck». Für die Filmmusik kam Stevens mit dem Independentmusiker Raymond Byron Magic Raposa (bekannt unter dem Pseudonym «Castanets») zusammen. Daraus entstanden der Titelsong sowie das neu aufgenommene «In the Devil’s Territory» vom älteren Stevens-Album «Seven Swans».
Die Filmaufnahmen der beiden Velofahrenden mit teilweise etwas gar wackelnder Kamera gehören nicht zu den filmischen Höhepunkten in «Beyond This Place». Dazu wären wohl andere Mittel nötig gewesen. Auch gibt es keine Unterhaltung zwischen fachsimpelnden Velofans zu hören. Dafür sind die Interviews mit Personen aus dem Familien- und Freundesumfeld erhellend und berührend zugleich.
«Beyond this Place», 2010
Regie: Kaleo La Belle
Regieassistenz: Jeremy Roth
Drehbuch: Kaleo La Belle und Patrick M. Müller
Kamera: Kaleo La Belle, Simon Weber
Ton: Stephan Heiniger
Schnitt: Tania Stöcklin
Schnittassistenz: Thomas Waidelich
Musik: Sufjan Stevens, Raymond Byron, Magic Raposa
Sound Design und Sound Editing: Roman Bergamin







