Der rollende Ökonom

Die Lektüre von Werner Vontobels kritischen Texten zur Wirtschaft lohnt sich. Vontobel ist aber auch ein Alltagsvelofahrer, der in seiner Freizeit auf dem Rennvelo knackige Anstiege unter die Räder nimmt.

Bruno Angeli, Autor (info@bruno-angeli.ch)
Kultur, 19.05.2010

Werner Vontobel ist als Velo-Spätzünder gestartet. Erst mit dreizehn Jahren lernte er fahren – die Veloprüfung stand kurz bevor. Und dann dies: Er missachtete an der Prüfung ein Haltesignal und fiel durch. Jahre später missglückte ihm die Führerscheinprüfung. Für die Lizenz zum Autofahren hat Vontobel seither kein Interesse mehr aufbringen können. Anders erging es ihm beim Velo. Nach und nach freundete er sich als Junge mit dem Zweirad an: «Es war ein Gefühl wie Fliegen, ausserdem konnte ich so meinen Aktionsradius bis ins nahe gelegene Elsass erweitern.» 1972 kaufte sich der begeisterte Velofahrer sein erstes Rennvelo. Seither hat er in Trikot und Rennhose unzählige Kilometer abgespult.

Die Liebe zum Rennvelo

Vontobel liebt die Gümmeler-Szene. Er erzählt eine Anekdote: «Ich fuhr in Italien in einer Gruppe Rennfahrer. Ein Mann aus dem Grupetto erkundigte sich mit den Worten ‹Quanti anni hai?› nach dem Alter meines Rennvelos, auf das ich so stolz war. ‹Dieci anni› (zehn Jahre), antwortete ich wahrheitsgetreu. Der Mitstreiter entgegnete darauf grinsend: ‹Pare di più!› (es erscheint mir älter). Es wurde still und steiler. Ich zog an und fuhr schliesslich am Kollegen, dem es eindeutig an Manieren fehlte, vorbei. Jetzt stellte ich eine Frage: ‹Quanti anni hai?› (Wie alt bist du?). Er gab eine Zahl an. Meine Replik zum verdutzten Campione: ‹Pare di più!›»

Vontobel ist nicht nur ambitionierter Hobbyradsportler, sondern auch Alltagsvelofahrer. Seit Jahren fährt er den 25 Minuten dauernden Weg von zu Hause zur Redaktion des «SonntagsBlicks». Hat es ihn nie gereizt, als Sportjournalist tätig zu sein? «Vor Jahren begleitete ich mal zusammen mit dem Radsportexperten Martin Born als Kolumnist die Tour de Suisse.» Dieser Abstecher hat Vontobel genügt. Zumal: Macht man ein Hobby zum Beruf, verliert man ein Hobby, sagt das Sprichwort.

Empfohlene Artikel