Velojournal: Welchen Bezug haben Sie zum Velo?
Eric Fassbind: Das Velo ist mein Verkehrsmittel in Lausanne und Zürich. Ich fahre täglich von Villette nach Lausanne und benütze in Zürich die Velostation am Bahnhof. Die Fahrt durch schöne Landschaften ist für mich Yoga, Meditation, Konfliktlösung und Therapie zugleich. Sehr gerne bin ich in den Ferien mit dem Velo unterwegs, sei es auf Radwanderwegen oder auch Downhillstrecken. Am wichtigsten sind mir jedoch die interessanten Begegnungen unterwegs.
Die Mitgliederzahlen von Pro Velo sind in den letzten Jahren in der Westschweiz deutlich gestiegen. Liegt das am grossen Engagement der Regionalverbände, oder macht das Velo in der Romandie allgemein an Boden gut?
Die Westschweizer Regionalverbände waren enorm aktiv und sind sehr präsent. Die Romands wurden jedoch auch durch die Anstrengungen Frankreichs zur Veloförderung motiviert, etwa das Bikesharing-System «vélib» in Paris oder die «voies vertes». Sie haben das Velo wieder sexy gemacht. Zudem bringen die neuen Veloinfrastrukturen in der Westschweiz die Bevölkerung dazu, das eigene Mobilitätsverhalten zu hinterfragen und zu ändern.
Die neuste Velostädte-Umfrage hat gezeigt, dass die Westschweiz auf den hinteren Rängen liegt. Was braucht es, damit Genf, Lausanne, Neuenburg und Fribourg Velostädte werden?
Viele Behördenvertreter in der Romandie hielten das Velo für nicht mehr zeitgemäss. Doch das ändert sich glücklicherweise langsam. Die Topografie von Lausanne, Neuchâtel und teilweise auch von Fribourg machen es aber nicht einfach. Hier kann das Elektrovelo Entwicklungshilfe leisten. Ich glaube allerdings, dass sich am Ende das Velo ohne Motor durchsetzen wird.
Die Nutzung des Velos geht in der Schweiz bei den Kindern und Jugendlichen seit Jahren zurück. Was würden Sie diesem Trend entgegensetzen?
In Zürich verbietet man den Eltern, die Kinder in die Schule zu fahren, damit sie den Schulweg zu Fuss oder mit dem Velo erleben können. Diese Politik müsste auf die gesamte Schweiz ausgedehnt werden. Ich bin sicher, dass dann alle Kinder das Velo wiederentdecken würden. Gleichzeitig muss mit den Medien diskutiert werden, damit nicht jeder Velounfall an die grosse Glocke gehängt wird. Auch die Eltern sollen für das Velo sensibilisiert werden, denn sie sind es, die den Kindern das Velofahren verbieten.
Was möchten Sie im Vorstand von Pro Velo Schweiz erreichen?
Mir ist die gute Verständigung zwischen den Regionen ein Anliegen, damit die besten Ideen anderswo ebenfalls umgesetzt werden können. Ich wünsche mir, dass die Velofahrenden Pro Velo wahrnehmen und kennen, so wie die Automobilisten ihre Organisationen.
Eric Fassbind
Der 48-Jährige ist Hotelier und Eigentümer der gleichnamigen Hotelkette. Er lebt mit seiner Frau Pascale und den beiden Söhnen Guillaume und Léo in Villette bei Lausanne und zeitweise in Zürich.







