Der grosse Startbogen ist schon von Weitem sichtbar, von allen Seiten brausen sich warm fahrende Rennvelofahrer heran. Der Geruch von gebratenen Würsten macht sich breit, je näher man zum Start- und Zielgelände kommt. Es herrscht Rennstimmung, obwohl es erst Februar ist. Die meisten Hobbyfahrer haben zu diesem Zeitpunkt noch kaum mit ihrem Aufbautraining begonnen. Da sind Gedanken an ein Trainingsrennen fern. Und trotzdem ist es ein spezielles Gefühl, zu einer ungewohnten Jahreszeit am Start zu stehen und diesen besonderen Kick kurz vor dem Losfahren zu verspüren.
«Achtung, fertig, loooos», hört man den Speaker rufen. Doch nichts bewegt sich, alle bleiben stehen, als hätten sie nichts gehört. Das Rätsel löst sich schnell. Die Organisatoren haben eine Handicap-Formel eingeführt, die den Frauen und den «Prähistorischen», wie der Speaker die über 49-Jährigen nennt, ein paar Minuten Vorsprung einräumt: Vier Minuten auf 48 Kilometer, daran werden die Schnellsten noch zu beissen haben. Kurz darauf macht sich auch das Hauptfeld – Rennfahrer und Hobbygümmeler bunt gemischt – mit 82 Fahrern auf den Weg. Auf der leicht abfallenden Strasse dauert die Beschleunigung von 0 auf 50 km/h vielleicht 30 Sekunden.
Hätte man sich vor dem Start nicht doch noch länger warm fahren sollen? Zum Glück pendelt sich das Tempo schnell auf einem konstanten Niveau ein. Einzig in den Kurven ist Beschleunigungskraft gefragt. Auf den ersten paar Runden geht das meistens noch gut, so früh in der Saison. Doch bei jeder Runde werden die Beine etwas schwerer, die Lockerheit schwindet, und irgendwann kommt der Punkt, an dem man die anderen wohl doch besser fahren lässt. Es sind ja Trainings-, nicht Wettkampfrennen.
Training in guter Gesellschaft
Entsprechend vernünftig sollte man diese Rennen angehen: Es geht nicht darum, am Limit zu fahren, sondern in guter Gesellschaft ein intensives Training zu absolvieren. Wer dies berücksichtigt, schon ein paar Kilometer in den Beinen hat und das Rennfeeling geniesst, ist beim Time Race Cup gut aufgehoben. Hinter der Veranstaltung steht nicht ein Verein, sondern eine Gruppe radsportbegeisterter Personen. Geleitet wird das Projekt von Peter Brunold, der um das Jahr 2000 schon einmal Rennen organisiert hatte. Der damalige Piton-Cup wurde nach einem tödlichen Zwischenfall bei einem Clubrennen geboren. «Viele Clubrennen werden wild durchgeführt, ohne Streckensicherung», sagt Brunold. Deshalb wollte er für Zürcher Radsportvereine gut organisierte Rennen anbieten, an denen sie ihre Clubwettkämpfe durchführen können. Fünf Vereine benötigte Brunold, um den Anlass kostendeckend durchzuführen, sieben nahmen schliesslich teil.
2008 fand – aus verschiedenen Gründen – der letzte Piton-Cup statt. Allerdings wollten Brunold und seine Crew weiterhin Rennen auf die Beine stellen. «Da kam mir die Idee von Winterrennen. Das ist etwas Neues und bietet sowohl Renn- als auch Hobbyfahrern bereits im Februar und März eine neue Gelegenheit», so Brunold. Der Startschuss zum Time Race Cup fiel im Oktober 2009. Seither finden jeweils ab Februar auf einer gut gesicherten 4-Kilometer-Runde rund um Brütten/ZH alle zwei Wochen Rennen statt. In diesem Jahr weitet der Organisator das Rennprogramm bis in den Sommer aus. «Die Sommerrennen sind ein Versuch. Wenn sie auf Interesse stossen, werden wir sie weiterführen», erklärt Brunold. Wenn nicht, dann werde er sich nächstes Jahr wieder ausschliesslich auf die Winterrennen konzentrieren.







