Dave und die Cutters

«Breaking Away» ist ein Jugendfilm aus dem Jahr 1979 und einer der beliebtesten Velofilme überhaupt. Das Drehbuch dazu gewann sogar einen Oscar.

Bruno Angeli, Autor (info@bruno-angeli.ch)
Film, 22.03.2017

«Breaking Away» erschien Ende der Siebzigerjahre und wurde überraschend ein Erfolg. Alle Hauptdarsteller schafften mit diesem Film den Sprung in die Filmbranche. Dennis Quaid (er spielt den Charakter Mike) ist wohl der bekannteste Darsteller aus diesem Quartett. Die anderen sind Dennis Christopher (Dave), Daniel Stern (Cyril) und Jackie Earle Haley (Moocher). Dave, der Hauptprotagonist, ist ein begeisterter Velorennfahrer, der für alles Italienische schwärmt. Er begeistert sich für die italienische Oper und beschallt damit das Elternhaus. Die Hauskatze nennt er Fellini, und sein Rennvelo stammt vom Hersteller Masi. Daves beste Freunde haben eines gemeinsam: Ihre Väter arbeiten, oder arbeiteten, an ihrem Wohnort in Bloomington, Indiana, im Steinbruch. Die jungen Männer sind alle 19 Jahre alt und müssen bald entscheiden, was sie mit ihrem Leben anstellen wollen.
Konflikte gibt es auch in «Breaking Away». Die vier Freunde liegen im Clinch mit den wohlhabenden Studenten der Indiana-Universität. Die Studenten nennen die weniger privilegierten Jugendlichen etwas abschätzig «Cutters». Dieser Übername leitet sich von der Arbeit im Steinbruch ab, wo Kalkstein zugeschnitten und bearbeitet wird.
Der junge Rennfahrer Dave treibt seinen Vater mit seinen Passionen zur Weiss­glut. In einer kultigen Szene des Films muss dieser rat- und hilflos zusehen, wie sich sein Junior die Beine rasiert! Dabei hört man im Hintergrund die Musik «Figaro, Figaro, Figaro, Figaro … Figaro!»

Das entscheidende Velorennen
Dave erfährt, dass seine Lieblingsmannschaft, das italienische Team Cinzano, in einem Regionalrennen an den Start geht. Sein Ehrgeiz treibt ihn an. Auf einer Trainingsfahrt fährt er hinter einem schweren Laster her. Der Tacho des Lasters zeigt 40 Meilen pro Stunde an. Der Chauffeur bemerkt den Velofahrer und gibt ihm per Handzeichen zu verstehen, wie schnell er ist. Er beschleunigt auf 50 Meilen und gibt ein weiteres Handzeichen. Bei 60 Meilen angekommen, stoppt ihn schliesslich die Polizei. Schade, dass bei dieser legendären Szene der aufmerksame Zuschauer sehen kann, dass die Kette des Rennvelos auf dem kleinen, vorderen Kettenblatt liegt. So dürften solche Geschwindigkeiten wohl kaum realisierbar sein. Dieses Detail schmälert den Unterhaltungswert des Film aber keineswegs. Das anschlies­sende Rennen, bei dem sich Dave als einziger Teilnehmer mit dem Cinzano-Team messen kann, wird für ihn eine schlimme Erfahrung: Das Cinzano-Team ist nicht nur arrogant, sondern bringt Dave sogar zu Fall. Diese deprimierende Erfahrung verändert ihn. Zu seinem Vater sagt er: «Jeder betrügt, jetzt weiss ich es.» Damit haben sich für den jungen Mann die italienische Oper und das Team Cinzano erledigt.
Als Höhepunkt des Films folgt das jährlich stattfindende Uni-Velorennen, bei dem die Freunde ausgerechnet als «Team Cutters» an den Start gehen. Das Rennen gibt es tatsächlich. Es nennt sich «Little 500 Bikes» und wird seit 1951 ausgetragen. Alle Teams fahren dabei Single-Speed-Velos mit Rücktrittbremse und flachen Pedalen. Das Rennen geht über 200 Runden. Dabei lösen sich die Fahrer des Viererteams ab. So ein Wechsel geht zuweilen etwas haarsträubend vonstatten. Dass in «Breaking Away» das «Team Cutters» alle anderen 32 Teams überrascht, darf an dieser Stelle verraten werden.
Der Low-Budget-Film wurde für diverse Filmpreise nominiert, unter anderem 1980 für fünf Oscars: für besten Film, beste Regie, beste Nebendarstellerin (Barbara Barrie, sie spielt Daves Mutter) und beste Filmmusik. Bekommen hat der Film schliesslich die vergoldete Statue für das Drehbuch. Steve Tesich schrieb übrigens auch das Drehbuch zum Velofilm «American Flyers/Die Sieger» (Velojournal 4/2007).
Hoffentlich erscheint dieser Filmschatz bald auch als deutschsprachige Version auf DVD oder Blu-ray. Auf den deutschsprachigen Filmtitel, wie er bei TV-Ausstrahlungen benützt wird, sollte man verzichten. Denn «Vier irre Typen – Wir schaffen alle, uns schafft keiner» klingt einfach nur doof.


DVD
«Breaking Away»
USA 1979
Regie: Peter Yates
Drehbuch: Steve Tesich
SchauspielerInnen: Dennis Christopher (Dave), Dennis Quaid (Mike), Daniel Stern (Cyril), Jackie Earle Haley (Moocher), Paul Dooley (Ray), John Ashton (Mikes Bruder), Hart Bochner (Rod), Barbara Barrie (Evelyn)

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