Dave liebt Sarah, vielleicht auch Alice

Mit «Tag am Meer» kam vor zwei Jahren ein Schweizer Film in die Kinos, dem man ein grösseres Publikum gewünscht hätte. Der Film spielt in Zürich, einer Stadt, in der die Leute oft Velo fahren.

Bruno Angeli, Autor (info@bruno-angeli.ch)
Film, 15.07.2010

Die Kritiken waren gut, als im Sommer 2008 der Film «Tag am Meer» in die Kinos kam. Die NZZ schrieb: «Genaue Figurenzeichnungen, pointierte Dialoge, ein gutes Gefühl für Erzählrhythmus und die Atmosphäre ausgewählter Schauplätze machen ‹Tag am Meer› zu einer stimmigen Geschichte – und einem Schweizer Spielfilmdébut, das aufhorchen lässt.»

Drehbuch und Regie stammen vom damals 30-jährigen Moritz Gerber. Rückblickend, sagt er, sei er etwas enttäuscht, dass nur etwa 7000 Zuschauer den Film gesehen haben. «Das ist für einen Erstling, der unter schwierigen Umständen ins Kino kommt, überraschend viel. Aber Filmförderungsgelder von ‹Succès Cinéma› bekommt man erst ab 10?000 Zuschauern. Es war also keine Steilvorlage für ein nächstes Projekt.» Die Umstände waren in der Tat ungünstig: Der Film lief während der Sommerferien. Und dies in manchen Städten – auch in Gerbers Heimatstadt Bern – mit nur einer Vorstellung am Tag: jener um 18.15 Uhr.

Mit Alice wird das Leben kompliziert

Der Regisseur und sein Team mussten mit einem sehr kleinem Budget und nur 21 Drehtagen auskommen. «Das ist, wie wenn man ein kompliziertes 3-Gang-Menü in einer halben Stunde zubereiten müsste. Mit etwas Glück kann man das Ganze am Ende essen, aber es wird nicht sehr viel Ähnlichkeit mit dem Bild im Kochbuch haben», sagt Gerber.

Die Story handelt von Musikliebhaber Dave (Dominique Jann). Er besitzt einen Plattenladen, ist an manchen Abenden als DJ beschäftigt und hat mit Sarah (Doris Schefer) eine hinreissende Freundin. Eigentlich müsste Dave happy sein. Ist er aber nicht. Ihn beschleicht das Gefühl eines Verlustes. Er feiert in den nächsten Tagen seinen 30.Geburtstag, ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Dave trifft per Zufall auf die attraktive Alice (Patricia Mollet-Mercier). Sie kommt aus Paris und ist für einige Tage in Zürich. Hier besucht sie ihren gut betuchten Vater, bevor es auf eine Weltreise gehen soll. Das Treffen mit Alice macht Daves Leben deutlich komplizierter. Zwei junge Menschen, die sich offensichtlich sympathisch sind, und ein heisser Sommer.

Veloszene fordert den Tontechniker

Die vielleicht schönste Veloszene in «Tag am Meer» ist die, als Dave nach dem Treffen mit Alice nach Hause fährt.  «Diese Szene ist eine meiner liebsten im Film», sagt Gerber, «ich mag es – auch im richtigen Leben – wenn Verwirrung und Glück so nahe beieinander liegen.»

Veloszenen zu drehen sei nicht einfach, erzählt Gerber. «Am schwierigsten war es, wenn Dave und Sarah auf dem Velo miteinander reden. Wir hatten dafür zwar einen lautlosen Elektrowagen gemietet. Dieser funktionierte aber nicht richtig.» Der Wagen mit Benzinmotor, der schliesslich zum Einsatz kam, machte den Ton unbrauchbar. Toningenieur Gregg Skerman habe aber ein Meisterwerk abgeliefert. Kein einziger Ton dieser Szene ist original. Jedes Wort, jedes Kettenrattern, jedes Bremsenquietschen und T-Shirt-Flattern wurde separat aufgenommen und eingefügt. Ein gewaltiger Aufwand.

Fazit: ein sympathischer Film zu einem hoffentlich heissen Sommer 2010.

«Tag am Meer»

Schweiz, 2008
Drehbuch und Regie: Moritz Gerber
Kamera: Piotr Jaxa
Schnitt: Claudio Cea
Ton: Ruedi Guyer
Chefbeleuchter: Damir Sulejmanowski
Ausstattung: Isabel Robson & Sara Weingart
Kostümbild: Margarita Meyer-Tarnover
Maske: Milena Pfleiderer
Musik: Michael Sauter
Ausführender Produzent: Valentin Greutert
Produzenten: Valentin Greutert, Simon Hesse
Schauspieler: Dominique Jann (Dave), Doris Schefer (Sarah), Manuel Löwensberg (Matthias), Patricia Mollet-Mercier (Alice)
Bonus: Kurzfilm «Tiger Erdolchen», 22 Min.
Vertrieb DVD Schweiz: pelicanfilms GmbH

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