Das Rollmaterial eines Drehbuchautors

Uwe Lützen lebt vom geschriebenen Wort und liebt Velos. Eine wunderbare Symbiose dieser beiden Leidenschaften ist ihm vor Kurzem geglückt: Er schrieb das Drehbuch zur Schweizer Velokurier-Komödie «Dead Fucking Last».

Bruno Angeli, Autor (info@bruno-angeli.ch)
06.02.2013

Uwe Lützen besitzt fünf Velos. Obwohl nicht mehr alle zum Einsatz kommen – «mein Mountainbike steht seit einiger Zeit im Keller» –, kann sich der 42-Jährige von keinem seiner Lieblinge trennen. «Ich habe eine geradezu nostalgische Beziehung zu meinen Velos.» Aber was tun, wenn der sportliche Ehrgeiz nachlässt? «Man wird schliesslich nicht jünger!», meint der studierte Germanist und Filmwissenschaftler schmunzelnd. Es wäre allerdings schade, die Räder ungenutzt herumstehen zu lassen. Die Lösung lautet: Umbau. So ist sein aktuelles Alltagsvelo ein Ritchey-Mountainbike aus dem Jahr 1993. «Ich habe es zum Alltagsvelo umgestaltet und Teile aus meinen alten Triathlon-Wettkampfrädern eingebaut.» Ein ähnliches Schicksal ereilte auch sein Triathlon-Wettkampfvelo. Es wurde zum bequemen «Gümmelen» umfunktioniert. Der ehemalige Triathlon-Teilnehmer und Mountainbiker Lützen hat sich zum Alltags- und Tourenvelofahrer gewandelt.

Fünf Jahre für einen Film

Ablöseprozesse gibt es auch in Lützens Berufsleben. Als er sich entschloss, das Drehbuchschreiben in den Mittelpunkt seiner Arbeit zu stellen, war klar, dass er sich früher oder später von seiner «Schöpfung» lösen muss. Von der ersten Idee bis zum Kinostart des Films «Dead Fucking Last» dauerte es dann allerdings fünf Jahre.

Im Mai 2007 fährt der Filmproduzent Kaspar Winkler an der Zürcher Seepromenade mit dem Velo zur Arbeit. Hier kommt es beinahe zum Zusammenstoss mit einer Fussgängerin. Diese unangenehme Begegnung bringt Winkler auf eine Idee. Er setzt sich noch am selben Tag via Skype mit Lützen in Verbindung, der sich zu jener Zeit zwecks Weiterbildung in Los Angeles aufhält. Er erzählt Lützen von seiner Idee eines Velokurierfilms. Sie sind sich einig: «That’s drive.» In der Folge wurde das Kernteam um Walter Feistle (Regie), Cooky Ziesche (Dramaturgie) und Sabine Girsberger (Produktion) erweitert. Daraus wurde das Drehbuch entwickelt und nicht zuletzt die Finanzierung aufgegleist. «Film ist Teamwork, es gibt eine Arbeitsteilung. Und spätestens dann, wenn der Film im Kino läuft, ‹gehört› er schliesslich ganz dem Publikum», so Lützen.

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