Das Gleiche und doch anders

Die Fahrradbörsen sind ein wichtiges Standbein von Pro Velo. Pünktlich zum Frühjahr läuten sie die neue Saison ein. Für die Administration wird heute auch auf Computer gesetzt. Verschiedene Regionen nutzen selbst entwickelte Programme.

Fabian Baumann, Redaktor (fabian.baumann@velojournal.ch)
29.01.2014

Eine Vorreiterrolle beim Computereinsatz an den Velobörsen hat Pro Velo Baden. Mit dem Karteikartenprinzip sei man nicht mehr weitergekommen, sagt Rudolf Meier, in Baden für die Börsen zuständig. Deshalb entwickelte ein Pro-Velo-Mitglied ein Programm, das den gesamten Ablauf unterstützt: Von der Voranmeldung der Händlerinnen und Händler über das Erfassen der Velos vor Ort bis zur Abrechnung läuft heute alles elektronisch ab. Die Software wurde über die Jahre weiter verbessert, seit 2011 gilt sie als «professionelle» Lösung. Auch wenn er bisher noch nie nötig gewesen sei, wird dieses Jahr ein Notfallplan getestet. Sollten alle elektronischen Stricke reissen, könnte so auch ohne Computer weitergearbeitet werden.

Laborsoftware in Neuenburg
In Neuenburg ist Matthias Müller für die Börsen verantwortlich. Auf seine Initiative hin wird dort ebenfalls digital gearbeitet. Die Zweiradbörse findet unter freiem Himmel statt. «Bei kaltem Wetter mit klammen Fingern Quittungen und Zettel zu sortieren, macht keinen Spass.» Das «Limsophy» genannte Programm habe sich an der letzten Herbstbörse beim Erfassen der Velos und Adressdaten bewährt. Die HelferInnen können von verschiedenen Computern aus die Angaben einsehen und nötigenfalls ändern. Normalerweise kommt «Limsophy» in Laboratorien zur Verwaltung von Proben und Aufträgen zum Einsatz. Für die Velobörsen wurde es angepasst. Es gebe noch Verbesserungspotenzial, sagt Müller. So dauere die Datenerfassung noch zu lange, etwa wenn in zwei Stunden 400 Velos erfasst werden müssten. Für die Frühlingsbörse sollen die Verkäufer­Innen deshalb ihre Velos via Internet selber registrieren. Am Börsentag wird dann für jenen Teil der Fahrräder nur noch die Eingangskontrolle nötig sein. Das habe den Vorteil, dass Händlerinnen und Privatverkäufer nicht mehr getrennt behandelt werden müssten, was zeitaufwendig ist. Das Programm unterscheidet anhand der Anzahl angebotener Fahrräder selber, welche Provisionsberechnung zum Einsatz kommt. Müller plant, die Software auch anderen Regionalverbänden zugänglich zu machen. Zuerst müssen sich die letzten Änderungen an der Frühlingsbörse aber bewähren.

Nie mehr Quittungen suchen in Bern
In Bern werden Mitte März bis zu 1000 Fahrräder in einer Halle der Kaserne stehen. Alle tragen Quittungen, welche bis jetzt dreifach ausgestellt werden: eine für den Verkäufer, eine am Velo für die Käufer und eine für Pro Velo. Neu tragen die Velos einen Strichcode, wie man ihn von Produkten aus dem Supermarkt kennt. Mit einem Lesegerät wird er eingescannt und in einer Datenbank gespeichert. Das dazugehörige Programm hat Pro-Velo-Mitglied Thomas Schlegel selbst entwickelt. Es mache die Börse kundenfreundlicher, sagt Rebecca Müller, Geschäftsführerin von Pro Velo Bern: «Abrechnen geht rascher, und Quittungen können nicht mehr verloren gehen.» In der Vergangenheit sei es vorgekommen, dass Quittungen falsch eingeordnet wurden. Langwieriges Suchen war die Folge. «Teilweise konnten wir die Fälle erst später im Büro lösen.» Neu genügt die Eingabe der Quittungsnummer in ein Suchfeld, um den Verkaufsstatus anzuzeigen. Bisher mussten die VerkäuferInnen selbst suchen, wenn sie vorzeitig wissen wollten, ob ihr Zweirad verkauft worden ist. «Findet jemand sein Velo nicht mehr, ist es höchstwahrscheinlich verkauft worden», beschreibt Rebecca Müller die alte Situation. Nun gehe es speditiver. «Verkaufsstatus prüfen, wenn nötig Abrechnung ausdrucken, unterschreiben lassen, das wars.»

Drei Börsen, drei Lösungen
In föderalistischer Tradition verfolgen drei Regionen ihre jeweils eigene Lösung. Es gibt wenig Druck, die Abwicklung schweizweit zu vereinheitlichen. Pro Velo Schweiz als Dachverband macht keine Vorschriften. Das sei auch richtig so, sagt Pro-Velo-Zürich-Geschäftsführer Dave Durner auf Anfrage. Die Re­gionen wüssten am besten, wie sie die Börsen organisieren wollen. Die Occasionsmarktplätze seien auch schwer vergleichbar: Eine Indoor-Börse in Bern laufe anders ab als eine unter freiem Himmel wie in Baden oder Neuenburg. Zürich verkauft an den Börsen jedes Jahr 6000 Velos und rechnet sie von Hand ab.

Die Börsentermine von Pro Velo:
www.pro-velo.ch/boersen

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