Der gebürtige Amerikaner Jeremy Hackney lebt seit elf Jahren in der Schweiz. Fast genau so lange ist er Mitglied bei Pro Velo. An der ETH Zürich promovierte Hackney zum Verkehrsingenieur und arbeitete danach als Postdoc in der Forschung. 2010 zog er mit seiner Frau und den Kindern ins Berner Oberland nach Interlaken. «Hier sieht es aus wie in einer Stadt», merkt Jeremy Hackney im Gespräch mit Velojournal an. «Das Denken der Menschen ist aber ländlich geprägt.» Die Beziehung zu Autos sei inniger als in urbanen Gegenden der Schweiz. Auch er möge Autos, erzählt der Verkehrsingenieur. Davon zeugen drei Oldtimer, an denen der 43-Jährige in seiner Freizeit schraubt. «Autos sind mein Hobby, als Fortbewegungsmittel für den Alltag taugen sie aber nicht.» Dafür seien sie zu sperrig und benötigten zu viel Platz. Ganz anders das Velo, das es zu fördern gelte.
Ein Laden für den Langsamverkehr
Seit diesem Jahr leistet Hackney mit der Cargo-Bike-Werkstatt Interlaken seinen persönlichen Beitrag zur Veloförderung. Die Werkstatt hat drei Tage pro Woche geöffnet. Daneben betreibt er mit einem Partner eine Verkehrsplanungssoftware und ist seit Kurzem im Vorstand der Pro Velo Bödeli. Die lokalen Fahrradhändler mit seiner Werkstatt zu konkurrenzieren, läge ihm fern. Vielmehr will Hackney eine Nische füllen. Diese hat er mit den Lastenvelos gefunden. Der Verkehrsingenieur mit einem Flair für Zweiradtechnik vertreibt Umbaukits der US-Firma Xtracycle. Mit dem an die Hinterachse anschraubbaren Anhänger lässt sich ein Velo um einen halben Meter verlängern und bekommt so einen zusätzlichen Gepäckträger über dem Hinterrad, der Lasten tragen kann. «In der Werkstatt kann ich coole Velos bauen und den Leuten helfen, ihre eigenen Räder in Schuss zu halten», bringt Jeremy Hackney seine Motivation auf den Punkt. Der Laden dient Besucherinnen und Besuchern als Do-it-yourself-Werkstatt. Lässt sich etwas nicht reparieren, hat Hackney die wichtigsten Ersatzteile an Lager oder steht beratend zur Seite.
Ausgebildeter Velomechaniker ist er nicht. Doch bereits als Jugendlicher habe er seine Liebe zu Fahrrädern entdeckt und später, als Erwachsener, aktiv an Radrennen teilgenommen. Mit der Zeit habe er viel Wissen um Velotechnik und Reparaturen erworben. Dieses möchte der frischgebackene Veloladen-Betreiber an die Kunden weitergeben. Jeden zweiten und vierten Montagabend des Monats veranstaltet Hackney deshalb Kurse in der Werkstatt. Neben Wartungs- und Reparaturarbeiten werden dabei auch Eigenbauprojekte realisiert. Zurzeit beispielsweise ein Skiträger fürs Velo. Neben dem Wissenstransfer nutzt Jeremy Hackney die Werkstatt auch zur Mitgliederwerbung.
«In der Werkstatt kann ich coole Velos bauen und den Leuten helfen, ihre eigenen Räder in Schuss zu halten»
Jeremy Hackney
Mit einem Verleihangebot möchte Pro Velo St. Gallen der Bevölkerung Cargobikes näherbringen. Seit 2013 vermietet sie in der Velostation am Bahnhof ein E-Transportrad. Ziel sei es, der Bevölkerung einen Impuls zu geben und aufzuzeigen, dass das Lastenrad die Mobilität bereichern und erweitern könne, sagt Vorstandsmitglied Michael Städler. Das Velo kann – sofern verfügbar – in der Velostation ohne Reservation tageweise ausgeliehen werden. Für Pro-Velo-Mitglieder ist das gratis, andere Personen bezahlen dafür einen geringen Betrag. Die Wochenendmiete ist auch für Mitglieder kostenpflichtig und braucht eine Reservation. Für spezielle Anlässe steht das Cargobike auch unter der Woche zu Wochenendbedingungen zur Verfügung. Das Verleihangebot wird laut Michael Städler bis jetzt noch hauptsächlich von «Insidern» genutzt. Diejenigen, die davon wüssten, schätzten es aber umso mehr.
Défi Vélo
In der Romandie werden Lastenvelos bei Défi Vélo seit mehreren Jahren eingesetzt. Das Veloförderungs- und Sicherheitsprogramm richtet sich an Oberstufenschülerinnen und -schüler zwischen 15 und 18 Jahren. Bisher wurden rund 6500 Jugendliche auf spielerische Art – Spass und gemeinsame Erlebnisse stehen im Vordergrund – zum Velofahren animiert. Seit dem ersten Défi Vélo spielen Lastenvelos eine Rolle. Weniger für die Jugendlichen, dafür für die Pro-Velo-Regionalverbände, welche die Aktion durchführen. Sie verfügen über eine kleine Cargobike-Flotte, um benötigtes Material an die Veranstaltungsorte zu bringen. Neben Lausanne, wo seit 2011 ein Lastenvelo mit Elektromotor zur Verfügung steht, verfügen auch Genf und seit diesem Herbst Neuenburg und Fribourg über zweirädrige Lastesel.







