Ein roter, getunter Schwinn-Cruiser aus den späten 40er-Jahren ist Pee-Wees ganzer Stolz. Selbst in seinen Träumen ist das Velo stets präsent. Darin nimmt er auf seinem Velo an der Tour de France teil und gewinnt sie, in Anzug und Fliege, mit der Startnummer 0. Bemerkenswert sind dabei die Statisten, die seine TdF-Konkurrenten darstellen. Eingefleischten Velorennfahrern werden die Haare zu Berge stehen: Mit Aerohelmen, kniehohen Socken und Lichtanlage ausgestattet, wirken diese nicht gerade authentisch. Dies tut dem Spass aber keinen Abbruch. Pee-Wees Velo zieht Neider auf sich. Millionärssöhnchen Francis will es unbedingt haben.
Doch Pee-Wee wird es für kein Geld der Welt verkaufen. Als das Velo, trotz der Sicherung mit einer mehrere Meter langen Kette, gestohlen wird, kommt Pee-Wee einem Nervenzusammenbruch nahe. Niemand scheint den Diebstahl beobachtet zu haben. Auch die Polizei kann ihm nicht weiterhelfen. In seiner Verzweiflung sucht er eine Wahrsagerin auf. Diese schickt Pee-Wee auf eine vermeintliche Spur. Der Held macht sich auf eine Reise, die ihn zunächst nach Alamo führen wird.
Der Film wird zum Roadmovie, und es kommt zu Begegnungen mit skurrilen Figuren. Die Suche nach seinem Velo führt den schlaksigen Helden nach Hollywood zu den Warner-Brothers-Studios. Die hier stattfindende Verfolgungsjagd ist der Höhepunkt des Films. Durch die unterschiedlichsten Kulissen hindurch verfolgt das Filmstudio-Wachpersonal Pee-Wee, der hier sein Velo zurückerobern will. Am Schluss wird alles gut. Es kommt zu einem Deal zwischen dem Studiochef und Pee-Wee. Seine Story soll Hollywood-gerecht verfilmt werden.
Etwas später: In einem Autokino, in Begleitung seiner Abenteuer-Fellows, sieht Pee-Wee das Resultat. Doch der Film hat nicht mehr viel mit seiner Realität zu tun: Der Held trägt in dieser Fassung Bart und Brusthaar und fährt Motor- und nicht Fahrrad. Dennoch scheint Pee-wee damit glücklich zu sein. Immerhin konnte er sich im Film eine kleine Statistenrolle ergattern.
Tim Burtons Karrierestart
Hauptdarsteller Paul Reubens war in den Achtzigerjahren in den USA sehr populär, was ihm 1988 einen Stern auf dem Walk of Fame in Hollywood eintrug. Seine Kunstfigur Pee-Wee war dem grossen Publikum durch die Fernsehsendungen «The Pee-wee Herman Show» und «Pee-wee’s Playhouse» geläufig.
Diese Figur unterhält problemlos auch über die Länge eines abendfüllenden Spielfilms, wie «Pee-Wees irre Abenteuer» bewiesen. Originaltreue ist zwar nicht die Stärke dieses aufgedrehten Films, dafür ist er aber ungemein lustig. Er ist durchsetzt mit Filmzitaten, Slapstickeinlagen und skurrilen Einfällen des noch jungen Regisseurs Tim Burton.Nicolaus Schröder schreibt dazu im Buch «50 Klassiker-Filmregisseure»: «Heute erscheint Tim Burtons erster langer Spielfilm als ein vergessenes Meisterstück, das schon ganz die Handschrift seines Schöpfers erkennen lässt.»
Während «Pee-Wees irre Abenteuer» für Tim Burton den Auftakt für seine sehr erfolgreiche Karriere als Regisseur (u.a. «Batman», «Sleepy Hollow», «Charlie und die Schokoladenfabrik», «Dark Shadows») sowie als Produzent und Drehbuchautor bildete, machte Reubens in der Folge auch als Privatperson von sich reden. 1991 wurde er in einem Sexkino aufgegriffen und wegen «Erregung öffentlichen Ärgernisses» angezeigt. Und zehn Jahre später kam es zu einem weiteren Skandal, in dessen Folge er wegen Obszönitat zu einer kleinen Geldstrafe verurteilt wurde.
Der Film
«Pee-wees irre Abenteuer»
Originaltitel: «Pee-wee’s Big Adventure», USA 1985, Blu-ray Disc
Regie: Tim Burton
Drehbuch: Phil Hartman, Paul Reubens,
Michael Varhol
Schauspieler: Pee-wee Herman (Paul Reubens), Dottie (Elizabeth Daily), Francis Buxton (Mark Holton), Simone (Diane Salinger), Mickey (Judd Omen)
Kamera: Victor J. Kemper
Schnitt: Billy Weber
Filmmusik: Danny Elfman
Produktion: Robert Shapiro, Richard Gilbert Abramson







