Statt TGV sollen die französischen Superschnellzüge neu InOuï heissen, so wenigstens wollen es die Marketingverantwortlichen der französischen Staatsbahn SNCF. Auf Deutsch bedeutet «inouï» «unerhört» oder «unglaublich». Genau dieses Prädikat verdient eine ganz konkrete Änderung, die mit dem Fahrplanwechsel im Dezember in Kraft getreten ist.
Seither ist der Velotransport in den Lyria-Zügen von und nach Paris nicht mehr möglich. Ohne Zahlen zu nennen, begründet die Lyria-Pressestelle diesen Schritt mit der geringen Nachfrage und sich rasch verändernden Reisebedürfnissen der Kunden.
Konkret mussten die Veloplätze einer neuen Businessclass weichen. Weiter lässt Lyria, eine Tochtergesellschaft von SBB und SNCF, verlauten: «Der Platz an Bord ist leider beschränkt, und wir haben uns entschieden, im Rahmen dieser Runderneuerung die Konditionen betreffend Fahrräder dem Standard des TGVs in Frankreich anzupassen.»
Soll das heissen, dass die Velos bald auch aus den übrigen TGVs respektive InOuïs verschwinden? Keineswegs, beruhigt die SNCF-Pressestelle in Paris, eine solche Veränderung sei nicht vorgesehen. So kann man samt Velo auch weiterhin von Paris im TGV in die Bretagne oder neuerdings in nur zwei Stunden nach Bordeaux brausen.
Nur: Dafür muss man zuerst nach Paris gelangen. Kein einfaches Unterfangen: Die punkto Velomitnahme sonst hilfreiche Website der Deutschen Bahn schlägt ab Basel mehrere Verbindungen mit TER-Regionalzügen vor. Dafür muss man vier- bis fünfmal umsteigen, die Fahrzeit beträgt acht bis neun Stunden.
Doch es geht auch schneller. Ab Mulhouse verkehren täglich mehrere Intercités-Züge nach Paris, in denen man Velos unverpackt mitnehmen kann. Um für diese Strecke ein Billett samt Veloplatz online zu erwerben, muss man ähnlich vorgehen wie bei der Reservation des Veloplatzes im TGV (siehe «Der Trick mit dem Klick»). Man wählt die französische Version der SNCF-Website, geht dort zu «+ de critères» und gibt bei der Via-Funktion als Zwischenstation zum Beispiel Vesoul an. Ebenfalls unter «+ de critères» findet man die Option «Je voyage avec mon vélo».
Auf der französischen Webseite der SNFC geht, was auf der Schweizer Version nicht geht: Die Reservation eines Veloplatzes.
Das Online-Orakel
Die Reise nach Paris dauert ab Basel mit ein- bis dreimal Umsteigen mindestens fünf Stunden. Positiver Nebeneffekt: Die Fahrt ist dafür deutlich billiger: Frühbucher zahlen nur 35 Euro. So kompliziert, so gut – allerdings nur bis Ende März. Vom 1. April an sollen die Intercités-Züge in TER-Regionalzüge umbenannt werden, teilt die SNCF-Pressestelle mit.
Nur: Das SNCF-Onlineportal weiss von dieser Änderung noch nichts. Die Züge Mulhouse–Paris figurieren dort auch im April immer noch als Intercités, aber was viel relevanter ist: Veloplätze kann man dort keine mehr reservieren! Sprachlich kommt das je nach Tag und Zug unterschiedlich daher. So heisst es zum Beispiel: «Ce trajet ne dispose pas d’espace vélos» oder «Pour certains trains, la classe que vous avez sélectionnée n’est pas disponible», manchmal aber auch «Nous ne trouvons pas de train où il est possible de voyager avec votre vélo non démonté» oder auf gut Deutsch: Kein Zug mit Velobeförderung auf dieser Strecke.
Weder am Infoschalter des Bahnhofs SBB in Basel noch im französischen St. Louis findet sich eine Lösung für dieses Problem, die Rückfrage bei der SNCF-Pressestelle ist bis Redaktionsschluss unbeantwortet geblieben. Histoire à suivre – Velojournal hält seine Leserinnen und Leser online auf dem Laufenden.
Hoffen auf 2020
Besonders ärgerlich ist das Ende der Fahrradmitnahme in den Lyria-TGVs für Velotouristen, die ins nahe Burgund wollen. Dank des TGV-Halts war der Hauptort Dijon ab Basel in nur anderthalb Stunden erreichbar. Ohne TGV dauert die 260 Kilometer lange Fahrt mit dreimal Umsteigen nun wieder über vier Stunden. Als Alternative bleibt einzig, das Velo in einer Tasche zu verpacken. So reist es weiterhin im TGV als Gepäck.
Immerhin besteht ein wenig Hoffnung: «Bei der Erneuerung unserer Flotte bis 2020 prüfen wir die Möglichkeit, solche Fahrradplätze wieder einzusetzen», heisst es am Ende der Antwort der Lyria-Pressestelle an Velojournal.
Stephan Dietrich
21.03.2018







