Vorlage für den Spielfilm «Wir haben gar kein Auto» ist das gleichnamige, erfolgreiche Sachbuch von Jutta Speidel und Bruno Maccallini, erschienen 2009. Daraus drehte das ZDF jetzt einen Fensehfilm unter der Regie von Dennis Satin. Jutta Speidel ist seit dem Film «Fleisch» von 1979 auch eine bekannte Schauspielerin in Kino-, Fernseh- und Theaterproduktionen. Maccallini ist in Italien als Regisseur, Produzent und Theaterschauspieler tätig. Im deutschsprachigen Raum wurde er vor zwanzig Jahren durch eine Fernsehwerbung für Instantkaffee bekannt. Sein Satz «Isch abe gar keine Auto, Signorina» wurde legendär und zugleich sein Markenzeichen.
Die Hauptprotagonisten sind auch im wahren Leben ein Paar und arbeiten zusammen an diversen Projekten. In einem Interview auf dem Onlineportal nwz-inside beantwortete Jutta Speidel die Frage, wie die gemeinsame Arbeit vor sich gehe: «Wir legen zwar gemeinsam ein Storyboard fest, schreiben aber in zwei Sprachen und in zwei Ländern. Bruno seine Version, ich meine. Erst wenn wir uns mit den Lektoren an einen Tisch setzen und gemeinsam entscheiden, was wichtig ist, was verzichtbar und was nicht zusammenpasst, fügt sich alles langsam aneinander. Manchmal ist das ein schwieriger Prozess, aber bislang hat es immer geklappt.»
Fahrt ins Ungewisse
Im Film brechen Jutta (Jutta Speidel), und Bruno (Bruno Maccallini) zur Ferien-Velotour auf. Sie wollen die Via Claudia Augusta befahren, eine der wichtigsten Römerstrassen, die den süddeutschen Raum mit Norditalien verband. Die Route wird sie von München durch die Alpen nach Meran führen. Doch zuvor besorgt Bruno beim örtlichen Velohändler Gepäckträgertaschen für seine Lebens- und Reisepartnerin. Im Geschäft entdeckt er eine Helmkamera. Sofort ist er davon begeistert. Leider ist sie teuer. Er findet – ohne Geld ausgeben zu müssen – eine Lösung, um an das technische Gadget zu kommen, und schliesst mit dem Velohändler einen Deal ab.
Jutta freut sich über das Geschenk. Die Taschen leuchten sogar in ihrer Lieblingsfarbe: hellblau. Ihre besten Freunde Uschi (Proschat Madani) und Christian (Moritz Lindbergh) kommen vorbei und verabschieden die beiden. Sie sind etwas besorgt über die «Hammer-Fahrradtour», die Jutta und Bruno planen. Sorgen machen sich die Reisenden jedoch weniger wegen der auf sie zukommenden körperlichen Strapazen. Beide verschweigen sie voreinander ein Geheimnis. Jutta ist die Besitzerin eines Wellness-Studios und plant zu expandieren. Sie will in Garmisch eine Filiale eröffnen. Dies bedeutet noch weniger Zeit, die sie miteinander verbringen können. Und ihr Partner hat ihr verschwiegen, dass er vor einiger Zeit seine Arbeit als Vertriebsmanager eines Kaffemaschinen-Herstellers verloren hat. Auf der Tour kreuzt sich ihr Weg mehrmals mit einer nervigen Wanderin und einem grossspurigen Hotelier, der Jutta gleich den Hof macht.
Ein Zwischenfall mit einer Schaukel endet für die Reisenden in einem See. Diese Episode wird aus Versehen via Helmkamera und Computer ins Internet geschickt – der Clip wird zum Quotenhit. Jutta und Bruno sind jetzt Web-Stars. Als Bruno dies erfährt, versucht er es seiner Partnerin zu verheimlichen. Viele Kilometer und Klamaukszenen weiter führt die gemeinsame Reise beinahe zum Beziehungsbruch. Zum Schluss bringt sie aber ein Tänzchen zum Klassiker «That’s Amore» von Dean Martin wieder zusammen.
Altbackene Komödie
Das Lexikon des internationalen Films bezeichnet «Wir haben gar kein Auto» als «harmlos-amüsante Unterhaltung». Dem Verfasser kommt eher das Prädikat «altbacken» in den Sinn. Zudem: Nicht- und Gelegenheitsvelofahrer werden vielleicht über die Scherzchen in diesem TV-Spielfilm noch schmunzeln können. Erfahrene Velofahrer werden sich jedoch darüber ärgern. Es ist fast beängstigend, wie weit sich das Mainstream-Fernsehen von der Velofahrer-Realität entfernt hat. Schade. Man hätte den sympathischen Hauptdarstellern ein glücklicheres Händchen bei der Drehbuchentwicklung gewünscht.
Die DVD
«Wir haben gar kein Auto – Mit dem Fahrrad über die Alpen», Deutschland 2012
Regie: Dennis Satin
Drehbuch: Stefan Rogall
Schauspieler: Jutta (Jutta Speidel), Bruno (Bruno Maccallini), Uschi (Proschat Madani), Christian (Moritz Lindbergh), Axel (Michael Greiling), Frau Hoppenrieder (Dagmar Sachse). Rike (Sabine Lorenz) und weitere
Kamera: Sven Kirsten
Schnitt: Betina Vogelsang
Filmmusik: Karim Sebastian Elias
Produktion: Sabine de Mardt,
Dagmar Konsalik







