Ein gutes Velo ist das A und O. Es muss regelmässig in den Service und wird sofort repariert, wenn mal etwas kaputtgeht. Diese Grundregeln habe ich beherzigt, so lange ich mich erinnern kann. Was man speziell zum Velofahren anziehen könnte, hat mich hingegen nie gross interessiert: Auf dem Land und ohne Auto aufgewachsen, wurde ich in praktischen Kleidern gross, die für das Spielen im Wald oder das Jäten in Mutters Gemüsegarten ebenso gut geeignet waren wie für rasante Fahrten mit Trottinett, Velo oder Seifenkiste. Dann aber kam ich eines Tages auf einem Campingplatz in Deutschland mit einer Frau ins Gespräch, die ihr Zelt ein paar Meter neben meinem aufgestellt hatte. Als ich ihr erzählte, ich sei mit dem Velo unterwegs, musterte sie mich mit erstauntem Blick und sagte: «Ich habe nicht gewusst, dass man in Jeans Rad fahren kann.» Worauf es an mir war, erstaunt zu gucken: «Wie denn sonst?», hätte ich um ein Haar zurückgefragt, erinnerte mich zum Glück aber noch rechtzeitig daran, dass es doch so spezielle Hosen gibt. Wobei: Tragen die nicht nur Rennfahrerinnen und -fahrer?
Seither sind etwa fünfzehn Jahre vergangen, und ich habe immer noch nie spezielle Hosen zum Velofahren angehabt. Ich habe allerdings auch nach wie vor kein Rennrad. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass das Velo für mich noch nie ein Sportgerät oder sonst etwas Spezielles gewesen ist, sondern ganz einfach das Gefährt, das sich ebenso ideal für den Arbeitsweg eignet wie für die Fahrt ins Kino oder das gemütliche Dahingondeln in den Ferien. Also einfach DAS Fortbewegungsmittel. Und zum Auto- oder Tramfahren zieht man schliesslich auch nichts Spezielles an.
Dennoch ist die Kleidung für Velofahrerinnen und Velofahrer keineswegs völlig unwichtig. Es gibt tatsächlich Kleider, die sich besser zum Velofahren eignen als andere. Jeans mit Schlag beispielsweise sind ebenso unbrauchbar wie Marlene-Hosen – ausser man steht auf Kettenschmiere an den Säumen. Und das Thema Regenschutz erst, das wäre glatt mal was für eine Doktorarbeit. Denn egal, wie gut die Werbung für immer wieder neue Innovationen auf dem Gebiet der technischen Stoffe klingt: Ein Material, das so dampfdurchlässig ist wie locker gewebte Naturfaser und gleichzeitig so wasserdicht wie die PVC-Beschichtung eines echten Friesennerzes, ist leider auch im 21. Jahrhundert noch nicht erfunden. Oder erinnern wir uns an die arktische Kälte im Februar, doppelt verstärkt durch die Bise: Diese Konstellation machte selbst bewährte Handschuhe und Mützen, die zuvor tadellos ihren Job verrichtet hatten, zu Accessoires mit Note «ungenügend». Kein Grund zur Sorge also: Der Abteilung «Kleider für alle Fälle» geht die Arbeit vorerst nicht aus.
Nicole Soland
21.03.2018







