Bergfexe in Bern

Seit den ersten offiziellen MTB-Crosscountry-Weltmeisterschaften wird gefordert, Titelkämpfe zu den Leuten in die Städte zu bringen. Aber erst 23 Jahre später taten es die Berner EM-Organisatoren – mit überwältigendem Echo.

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Martin Platter
17.07.2013

Eine Staffel-Wettkampfrunde ums Bundeshaus mit Start und Ziel auf dem Bundesplatz? Das gibts nur in der Schweiz! Da hat wohl manch ausländischer Besucher gestaunt, der Zeuge des packenden Schauspiels vor beeindruckender Kulisse wurde. Dem Schweizer Quartett mit den Weltmeistern Nino Schurter und Jolanda Neff als Aushängeschilder blieb – wie im Vorjahr – der Ehrenplatz hinter der Auswahl Italiens. Launige Reden des Berner Stadtpräsidenten Tschäppät («Wir brauchen zwar eure Steuerbatzen, aber dafür geben wir euch auch etwas …») und von Regierungsrat Rickenbacher eröffneten die Titelkämpfe, die vom 20. bis 23. Juni dauerten. Tags darauf die gleiche Szene im Rahmen der ersten Eliminator-Sprint-EM. Bundesparlamentarier, die sich in der Session mit der «Lex USA» zu befassen hatten, nutzten die willkommene Abwechslung vor der Haustüre des Parlamentsgebäudes – obschon Mountainbiking ursprünglich ebenfalls aus Amerika stammt.

Wettkampf und Spektakel
In die Herzen der Zuschauer fuhr sich dabei überraschend der Berner Sepp Freiburghaus. Als Dritter holte er die einzige Medaille für den Gastgeberkanton. Im Anschluss an die Wettkämpfe griffen Pegasus zu den Instrumenten und rockten auf dem Bundesplatz. An den übrigen Tagen traten die Rapper Wax und Steff la Cheffe auf. Das führte zur gewünschten Durchmischung des Publikums. Und löste ein überwältigendes Medienecho aus. Europameisterschaften fanden zwar bereits 1993 in Klos­ters (noch immer mit Thomas Frischknecht und Chantal Daucourt als bisher einzigen Heimsiegern!) und Zürich (2002) statt; Welttitelkämpfe in Château d’Oex (1997), Lugano-Rivera (2003) und Champéry (2011). Aber noch nie zuvor hatten die Medien so breit, umfassend und profund über den Mountainbike-Sport berichtet wie während der EM in Bern.
Das Spektakel zahlte sich aus. Mehr als 15?000 Zuschauerinnen und Zuschauer pilgerten ans regnerische Finale auf den Berner Hausberg Gurten, um Weltmeis-ter Schurter auf seiner ersten EM-Goldfahrt anzufeuern. Bundespräsident und Sportminister Maurer gab den Startschuss ab. Doch wie schon an der WM in Champéry vor zwei Jahren nützte alles nichts. Schurter musste sich vor heimischem Publikum erneut geschlagen geben. Von einem, den er in letzter Zeit stets geschlagen hatte: Julien Absalon. Der Franzose fügte seinen vier WM-Titeln, 2 Olympiasiegen, 26 Weltcuptriumphen und vier Swiss-Bike-Trophy-Siegen auf dem Gurten auch noch den 2. EM-Gewinn hinzu. Ein krönender Abschluss für die vermutlich erfolgreichsten Bike-Titelkämpfe aller Zeiten.

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