Sommerferienzeit ist für meinen Freund und mich Velotourenzeit. Dieses Mal fuhren wir erst den Ennsradweg und dann weiter der Donau entlang nach Wien. Das erste Highlight vorneweg: Wir haben es an einem einzigen Tag geschafft, den rund 500 Kilometer von Zürich entfernten Ausgangspunkt der Tour per Bahn zu erreichen – wenn auch nur fast! Wir gehören nämlich zu den altmodischen Menschen, die ihr eigenes Velo mitnehmen – und dieses Mal gabs dabei noch mehr Hürden zu überwinden als auch schon: Einige Verbindungen fallen von vornherein weg, denn der neue RailJet der ÖBB, der von Zürich nach Wien fährt, nimmt keine Velos mit. In den anderen Zügen hat es so wenige und reservierungspflichtige Veloplätze, dass es schwierig ist, zwei Velos im selben Zug zu transportieren. Und weil die ÖBB auf dem letzten Streckenabschnitt vor Radstadt, wo wir eigentlich starten wollten, mitten in den Sommerferien neue Gleise einbaute, verkehrten dort Ersatzbusse.
Unser Fahrplan lautete schliesslich so: Abfahrt in Zürich um 07.16 Uhr, umsteigen in Bregenz, umsteigen in Feldkirch mit eineinhalb Stunden Aufenthalt, umsteigen in Salzburg, aussteigen um 16.52 Uhr in Bischofshofen und ab dort mit den Velos auf der Bundesstrasse, die parallel zur Tauernautobahn verläuft, die letzten 26 Kilometer nach Radstadt. Uff!
«Der Kluge reist im Zuge», hiess es einst – lang ists her. Heute lautet die Formel offenbar: Je mehr von Klimaschutz und Nachhaltigkeit geredet wird, desto schwieriger wird es, zwei umweltfreundliche Verkehrsmittel wie Velo und Zug zu kombinieren.
Auf dem Rückweg mussten wir nur einmal umsteigen, immerhin! Und wir hatten inzwischen gelernt, wie bei der ÖBB zwei reservierte Veloplätze im selben Wagen aussehen können: ein Haken am einen Ende des Wagens, ein Haken am andern Ende. Womit man, da nichtsahnend durch die gleiche Tür eingestiegen, bei schon fahrendem Zug das eine Velo durch den ganzen Wagen trägt, stösst, würgt – und, endlich am Ziel, feststellt, dass die lieben Mitreisenden unterdessen den ganzen Platz bis fast hinauf zum reservierten Haken mit ihren Koffern und Taschen verstellt haben …
«Der Kluge reist im Zuge», hiess es einst – lang ists her. Heute lautet die Formel offenbar: Je mehr von Klimaschutz und Nachhaltigkeit geredet wird, desto schwieriger wird es, zwei umweltfreundliche Verkehrsmittel wie Velo und Zug zu kombinieren. Dabei sollte das doch machbar sein: Das immer wieder herumgebotene Argument, für den Velotransport fehle der Platz, glaube ich jedenfalls erst, wenn es auch dann noch keinen Platz für Velos hat, wenn die Fahrgäste gelernt haben, ihr gratis mittransportiertes Gepäck auf den dafür vorgesehenen Ablageflächen zu verstauen.
Nicole Soland ist Redaktorin bei der Zürcher Wochenzeitung «P.S.». Das Velo ist ihr Hauptverkehrsmittel.







