Heute zählt Yverdon-les-Bains rund 28?000 Einwohnerinnen und Einwohner. Im Unterschied zur Kantonshauptstadt Lausanne sind Velos hier im Strassenbild sehr präsent. Die Stadt liegt in der Schwemmebene des Flusses Zihl, Steigungen oder Hügel gibt es keine zu überwinden. Zudem sind die Distanzen im Ort überschaubar. «Auf dem Velo lässt sich die Stadt in 15 Minuten durchfahren», sagt Christophe Triscornia, Präsident der lokalen Pro Velo. Die Menschen seien ans Radfahren gewöhnt. Auch die Autos würden den Zweirädern auf der Strasse ihren Platz zugestehen. In Lausanne, wo Triscornia zuvor mehrere Jahre lang gewohnt hatte, sei das anders. «Mit der Zunahme des motorisierten Verkehrs wird das Klima auf der Strasse rauer», stellt der Pro-Velo-Präsident aber auch in Yverdon fest. Ein Grund dafür ist der Bevölkerungszuwachs.
Trotzdem hat die lokale Pro Velo mit rund 150 Mitgliedern noch eine bescheidene Grösse. Interessierte zu rekrutieren, sei eine Herausforderung, so Christophe Triscornia, der hauptberuflich ein Beratungsbüro führt. Neue Mitglieder erreicht Pro Velo über die Velofahrkurse für Kinder, die mehrere Male pro Jahr durchgeführt werden. Das Interesse daran sei gross, und in der Folge würden vor allem Eltern, deren Sprösslinge die Fahrkurse besuchen, sich für eine Mitgliedschaft bei Pro Velo entscheiden.
In Yverdon setzt heute auch die Stadtverwaltung auf das Fahrrad. Mit der «Agenda 21» wurde ein Programm ausgearbeitet, das die Förderung einer nachhaltigen Entwicklung zum Ziel hat. So subventionierte die Stadt dieses Jahr unter anderem den Kauf von Fahrrädern und E-Bikes, und das Agglomerationsprogramm soll Verbesserungen der Veloinfrastruktur bringen. Es ist vorgesehen, das Fahrradroutennetz auszubauen und bestehende Lücken zu schliessen. Die Erreichbarkeit der Schulen soll mit Priorität verbessert werden, und es sind neue, gedeckte Abstellplätze für Fahrräder in der Stadt geplant.
Veloförderung mit Schwerpunkten
Aber es geht auch um neue Strassen: Eine von der liberalen Partei lancierte Initiative verlangt den Bau einer Umfahrungsstrasse. «Die Ansichten dazu sind jedoch geteilt», kommentiert der Pro-Velo-Präsident. Auf der einen Seite sei weniger Verkehr in der Stadt zu begrüssen, doch Pro Velo befürchtet, dass das Gegenteil eintrifft. Neu geschaffene Kapazität auf der Strasse führe in der Regel zu einer Zunahme des Verkehrs. Man setze darum grössere Hoffnungen auf die Umsetzung des Aggloprogramms mit einer Verbesserung der Veloinfrastruktur.
Der Klassiker unter den Pro-Velo-Aktivitäten ist die Velobörse. In Yverdon findet diese jeweils im Frühling statt. Wichtigstes Anliegen sind die Fahrräder selber und deren Zustand. Ein defektes Fahrrad in Yverdon reparieren zu lassen, sei mitunter schwierig. Die lokalen Velowerkstätten sind oft überlastet und reparieren daher bevorzugt Velos, die bei ihnen
gekauft wurden. «Occasionsvelos oder solche, die andernorts gekauft wurden, flicken die Geschäfte kaum», stellt Triscornia fest. Pro Velo veranstaltet darum Reparaturkurse, welche von einem erfahrenen Mitglied geleitet werden. Diese finden vier bis fünf Mal jährlich statt. Die Zeit an den Kursen reiche aber nicht aus, um alle Räder zu flicken. Aber es wird Basiswissen für eine Reparatur zu Hause vermittelt.
Pro Velo ist gegenwärtig auf der Suche nach einer Lokalität, wo dauerhaft eine Do-it-yourself-Werkstatt eingerichtet werden kann. Gut geeignet wäre die Velostation am Bahnhof. Die Betreiber der Station wurden bereits kontaktiert, eine Einigung konnte bis dato aber nicht erzielt werden. Der Kurs von Anfang November fand daher in Christophe Triscornias Garage statt.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Sicherheit und Ausbildung von Radfahrenden. Hier liegt das Augenmerk speziell auf den Kursen für Kinder. Gegenwärtig sei man daran, das Projekt auszuweiten, um in Zukunft auch Kurse an Schulen in der Umgebung der Stadt anbieten zu können. Pro Velo setzt sich auch für die Verbesserung der Situation für die Radfahrenden ein. Wird das Agglomerationsprogramm wie geplant umgesetzt, blicken die lokalen Veloförderer mit Optimismus auf die kommenden Jahre. «Die Zukunft ist grün», gibt sich der Pro-Velo-Präsident überzeugt, «in fünf Jahren werden wir in einer Velostadt leben.» Vielleicht brauche es dann sogar Pro Velo nicht mehr, fügt Triscornia mit einem nicht ganz ernst gemeinten Schmunzeln an.







