Augen am Hinterkopf

Garmin lanciert ein Radar und ein Insight-Display für Velos. Die elektronischen Helferchen sollen das Radfahren sicherer machen. Doch nicht alles bewährt sich gleichermassen in der Praxis.

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Fabian Baumann
13.09.2016

Als mit der «Varia Vision» und dem «Varia Radar» neue Testgeräte auf der Redaktion eintrafen, war die Freude gross. Der schreibende Redaktor mag nämlich nicht nur Fahrräder, sondern hat auch ein Faible für allerlei elektronische Gerätschaften, die am Zweirad montiert werden können. Zubehör, welches das Radeln angenehmer macht, steht ebenfalls hoch im Kurs.

«Varia Vision» ist ein sogenanntes Insight-Display. Es wird an der Sonnenbrille befestigt und kann Daten eines damit verbundenen Velocomputers direkt ins Blickfeld projizieren. «Varia Radar» ist ein spezielles Radar für Velos. Es wird an der Sattelstütze montiert und erkennt Fahrzeuge, die sich einem von hinten nähern. Und das laut Hersteller auf eine Distanz von bis zu 140 Metern. Wie von der amerikanischen Firma Garmin gewohnt, sind die Geräte im Handumdrehen einsatzbereit. Per Bluetooth und ANT+ werden Radar und futuristisches Zusatzdisplay mit einem kompatiblen Velocomputer desselben Herstellers – im Test ein «Edge 520» – gekoppelt. An Fahrrad und Bügel der Sonnenbrille sind die zwei Geräte rasch und einfach montiert. Zum Lieferumfang gehören entsprechende Adapter.


«Varia Vision», «Varia Radar» und «Edge 520» im direkten Grössenvergleich. 
 
Radfahren wie Robocop
Das «Varia Display» ist gewöhnungsbedürftig. Mit 30 Gramm ist das Gerät zwar verhältnismässig leicht. Dennoch ist das Gewicht deutlich auf jener Seite der Sonnenbrille zu spüren, wo das Display montiert ist. Mit der Zeit gewöhnt man sich allerdings daran, und das Zusatzgewicht wird nicht zum Störfaktor. Mit aufgesetzter Brille und «Varia Display» sieht man aus wie aus einem Science-Fiction-Film. Irgendwie komisch. Die grösste Herausforderung ist aber, auf dem winzigen Display überhaupt etwas zu erkennen.

Garmin möchte die Sicherheit der Radfahrenden im Verkehr verbessern. Dank des Displays soll der Blick während der Fahrt immer nach vorne gerichtet sein. Hinunterschauen zum Lenker, um Geschwindigkeit oder Kilometerstand abzulesen, entfällt. Zumindest in der Theorie. Denn das Ausrichten des Displays auf das persönliche Sichtfeld gestaltet sich im Selbstversuch recht schwierig. Wie das kleine Ding auch gedreht und gewendet wird: Es gelingt nicht, einen wirklich guten Blick auf den Minibildschirm zu erhaschen. Nach mehrmaligem Probieren und einiger Zeit auf dem Sattel hat man den Dreh zwar raus. Trotzdem: Im dichten Stadtverkehr testen wir das futuristische Ding lieber nicht. Doch auch nach einigen Kilometern über Land fühlt sich der leicht zur Seite schielende Blick aufs kleine Display noch etwas komisch an. Fahrzeit und Tempo lassen sich erkennen. Und das ohne die Augen von der Strasse zu nehmen – ein Anfang. Über ein Wischen an der berührungsempfindlichen Seite des «Varia Display» können verschiedene Daten des Velocomputers ins Blickfeld projiziert werden. Das funktioniert einwandfrei – wenn man bloss gute Sicht auf den Minibildschirm hätte.

Ganz anders das «Varia Radar», das sich als praktikabel herausstellt. Das rund 60 Gramm schwere Gerät dient gleichzeitig als Rücklicht, was nützlich ist. Dank des Radars hat man ein zusätzliches Paar Augen, das nach hinten schaut. Auf Testfahrt warnt das «Varia Radar» vor einem herannahenden Auto manchmal schon, bevor es der Tester hört. Auf dem Velocomputer erscheint am rechten Bildschirmrand eine vertikale Linie. Ein Punkt gibt an, wie weit das Fahrzeug noch entfernt ist. Je weiter oben am Displayrand der Punkt, desto näher das Auto.

Warnhinweise im Stadtverkehr
Das Radargerät ist mit verschiedenen neueren Velocomputern von Garmin kompatibel. Wer ein älteres Modell hat, kann ein zusätzliches Display am Lenker befestigen. Im Stadtverkehr, wo praktisch immer ein Auto, ein Bus oder ein Tram von hinten kommt – das Radar warnt auch vor Fahrzeugen auf Schienen – , sind die dauernden Warnhinweise zu viel des Guten. Über Land oder bei Fahrten in der Dämmerung ist das «Varia Radar» als Ergänzung zu Schulterblick und Gehör aber ein echter Gewinn punkto Sicherheit. Etwas schade ist, dass das Gerätchen ziemlich klobig ist. Doch Sicherheit geht letzten Endes vor.

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